Venlo/ Viersen, 22. April 2020

Ein Einblick in aktuell wissenschaftliche Forschungsergebnisse

Luftverschmutzung, sowohl in Innenräumen als auch in der Außenluft, hat bewiesenermaßen einen erheblichen Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Im Laufe der Corona-Pandemie hat die Harvard University den Einfluss von Luftverschmutzung auf Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind, untersucht. Dabei wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen verschmutzter Luft und einer höheren Sterblichkeitsrate festgestellt. Für Erkrankte besteht demnach ein erhöhtes Sterberisiko, wenn sie in einer Region mit hoher Luftverschmutzung leben. Denn verschmutzte Luft verursacht ein erhöhtes Risiko für chronische Atemwegs- und Herzerkrankungen, welche in Verbindung mit einer Infektion durch Coronaviren tödlich enden können. Bereits ein leichter Anstieg der Feinstaubkonzentration von nur 1μg/m3 PM2,5 verursacht demnach 15% mehr Todesfälle.[1]

Durch ihre Strukturen und Oberflächeneigenschaften können sich Viren sehr gut an Partikel binden und sind somit auch im Feinstaub nachzuweisen. Um unversehrt und damit auch infektiös zu bleiben, benötigen Viren jedoch bestimmte Umweltbedingungen, die sich jedoch abhängig von der Virenart stark unterscheiden. SARS CoV-2 kann nur wenige Stunden in der Luft überleben und ist in der Außenluft in einer solch geringen Konzentration vorhanden, dass nach aktuellem Wissenstand keine Infektion auf diesem Weg befürchtet werden muss.[2]

Um die Mortalitätsrate zukünftig zu senken, müssen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen werden. Der aktuelle Lockdown in vielen europäischen Ländern reduziert bereits die Emissionen schädlicher Substanzen wie Kohlendioxid und Stickstoffdioxid.[3]

Wir verbringen für gewöhnlich rund 90% unserer Zeit in Innenräumen, durch den gegenwärtigen Lockdown wohl noch mehr. Nun bestätigt die Forschung aber, dass die Luftqualität in Innenräumen bis zu sieben Mal schlechter ist als die Außenluftqualität.[4] Und das hat Folgen. Nicht nur, dass das Risiko von Atemwegserkrankungen und Herzproblemen steigt, auch das kognitives Gedächtnis wird geschädigt. Das kann letztlich u.a. zu Stimmungsschwankungen, Depressionen und Langzeitdemenz führen.[5]

Der wichtigste Indikator zur Bewertung der Raumluftqualität, ist die CO2-Konzentration in einem Raum. Diese ist abhängig sowohl von der Anzahl der Personen, die sich in dem Raum befinden, als auch von der Art der Belüftung.[6] Die richtige Belüftung hilft dabei, das Innenraumklima zu verbessern. Regelmäßiges und richtiges Lüften sind deshalb besonders wichtig, wenn das Gebäude nicht mit einer Belüftungsanlage ausgestattet ist. Eine Infektion durch eine solche Anlage konnte bisher weder bei dem verwandten SARS-Virus, noch bei COVID-19 festgestellt werden und eine Übertragung auf diesem Weg sei Experten zufolge nach sehr unwahrscheinlich. [7]

Kurz gesagt: Die Verschmutzung der Innen- und Außenluft ist ein wesentlicher Faktor in der aktuellen Herausforderung im Kampf gegen das Coronavirus. Um (chronischen) Atemwegs- und Herzerkrankungen sowie kognitive Störungen entgegenzuwirken, muss kontinuierlich an der Verbesserung der Luftqualität gearbeitet werden. In den nächsten Wochen werden wir uns noch eingehender mit der Verbesserung der Innenraumluftqualität befassen und Ihnen ein umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung stellen.

Falls Sie bereits jetzt schon mehr über das Thema Luftverschmutzung wissen möchten: Prof. Alex Tabarrok von der George Mason University (Washington DC), gibt in seinem Videobeitrag „The Hidden Cost of Pollution“ einen Überblick über die jüngsten Forschungsarbeiten, die untersuchen, wie sich die Umweltverschmutzung negativ auf Beschäftigung, IQ, Produktivität und Gesundheit auswirkt.

https://mru.org/courses/everyday-economics/hidden-cost-pollution 

Foto: Tridsanu Thopet, Shutterstock.


Quellenangaben:

[1] The Guardian (2020): Air pollution linked to far higher Covid-19 death rates, study finds, https://www.theguardian.com/environment/2020/apr/07/air-pollution-linked-to-far-higher-covid-19-death-rates-study-finds, [20.04.2020]

[2] Umwelt Bundesamt (2020): Coronavirus: Bedeutung der Luftverschmutzung, https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/besondere-belastungssituationen/coronavirus-bedeutung-der-luftverschmutzung [17.04.2020]

[3] Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut (2020): Afname luchtvervuiling boven Europa, https://www.knmi.nl/over-het-knmi/nieuws/afname-luchtvervuiling-boven-europa [20.04.2020]

[4] Eicholtz, P., Kok, N., Palacios, J. (2019): Moving to Productivity: The Benefits of Healthy Buildings, http://maastrichtrealestate.com/upload/researches/EKP-Complete.pdf [17.04.2020]

[5] Palacios, J. (2019): Inside Buildings: Environment, Health and Performance, https://healthybuildingnetwork.com/de/dr-juan-francisco-palacios-verteidigt-seine-dissertation-zur-auswirkung-von-gebaeuden-auf-menschen/ [17.04.2020]

[6] Palacios, J. (2019): Inside Buildings: Environment, Health and Performance, https://healthybuildingnetwork.com/de/dr-juan-francisco-palacios-verteidigt-seine-dissertation-zur-auswirkung-von-gebaeuden-auf-menschen/ [17.04.2020]

[7] Magdans, F. (2020): Raumlufttechnische Anlagen in Corona-Zeiten. Die Konzentration an Viren reduzieren, https://www.vdi.de/news/detail/die-keimkonzentration-reduzieren [20.04.2020]