Viersen/ Venlo, 06. August 2020

Unsere gebaute Umwelt beeinflusst uns- eine Tatsache, die zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen können. Ob bewusst oder unbewusst: was wir sehen, riechen und tasten wirkt sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit aus. Beides kann durch die richtige Gebäudeplanung bzw. Raumgestaltung positiv beeinflusst werden. Harmonische Design- und Farbgebung, durchdachte Materialauswahl, passende Belichtung, gute Belüftung und Lärmreduktion- alles Mittel, derer Sie sich bedienen können, um eine gesunde oder gesundheitsfördernde Umgebung zu schaffen.

Bereits die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege, Florence Nightingale, war sich dieser Tatsache bewusst und forderte schon im 19. Jhdt. mehr Fenster, frische Luft und weniger Lärm für Krankenhauspatienten. Doch auch die moderne Architekturpsychologie beschäftigt sich mit diesen Fragen. So beobachtete 1984 der amerikanische Forscher Roger Ulrich zwei Patientengruppen nach einer OP. Dabei lag eine Gruppe in Patientenzimmern mit Blick auf die Mauer eines Gebäudes, die zweite dagegen konnte in die Natur schauen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Patienten der zweiten Gruppe benötigten nachweislich weniger Schmerzmittel, sie durchlebten weniger Komplikationen, litten seltener an negativer Stimmung und konnten letztlich auch nach kürzerer Verweildauer die Klinik verlassen.

Die Effekte der s. g. „Healing Architecture“ konnten seitdem in weiteren Studien belegt werden. Bisher existieren weltweit etwa tausend Studien, die belegen können, dass auch das Umfeld den Heilungsprozess positiv beeinflusst. So sinkt bspw. Ihr Blutdruck, die Herzfrequenz verringert sich und es wird weniger Stress empfunden. Auch an der TU Berlin wird seit einigen Jahren weiter an diesem Thema geforscht.

Doch auch bei gesunden Menschen wirkt eine sorgfältig bedachte Gebäude- und Raumgestaltung. Ein Mittel, um dies zu erreichen ist das s. g. „Biophilic Design“. Die „Liebe zum Lebendigen“, beschreibt unser angeborenes Bedürfnis nach Kontakt zur Natur. Das innovative Konzept beschäftigt sich mit den Möglichkeiten Menschen auch in Gebäuden und Räumen mit der Natur zu verbinden, indem eine natürliche oder naturnahe Lebens- und Arbeitsumgebung geschaffen wird. Denn wir verbringen über 90% unserer Zeit in Gebäuden und haben so nur bedingt Kontakt zu unserer natürlichen Umwelt. Und bereits kleine Maßnahmen, auch im Bestand, können viel bewirken und unser Wohlbefinden und unsere Kreativität steigern, uns zufriedener und letztlich auch produktiver machen.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Krefelder Unternehmen Interface Deutschland GmbH. Sie wollen mehr darüber erfahren? Klicken Sie hier.

Foto: Anastasia Araktsidou

Venlo/ Viersen, 23. Juli 2020

 

Einer der wichtigsten Indikatoren für ein gesundes Gebäude ist ein gesundes Raumklima. Denn verschmutzte Luft hat einen erheblichen negativen Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Aber wie sorgt man für ein gesundes Raumklima? Und was genau versteht man darunter? Wir haben in den vergangenen Monaten eine Reihe von Blogs zu diesem Thema geschrieben. Wir haben für Sie die wichtigsten zusammengetragen:

 

Foto: via Pexels

Viersen/ Venlo, 21 juli 2020

Gesunde Schulen sind ein erstes Lebensbedürfnis!

„Kinder lernen nicht nur in Schulen, sondern sie entwickeln sich dort auch persönlich – mental und körperlich. Diese Entwicklung hat große Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Gesundheit und somit für ihr weiteres Leben. Deswegen ist es so wichtig, dass Schulen ein gesundes Umfeld bieten! Und genau solche gesunden Gebäude wollen wir mit dem Healthy Building Network realisieren. Studien der Universität Maastricht sind dabei für uns die wissenschaftliche Grundlage. Die vielen Kontakte zwischen Behörden, Unternehmen und edukativen Einrichtungen schieben Innovationen an und sorgen dafür, dass gesunde Gebäude tatsächlich realisiert werden.

In diesem Beitrag möchte ich verdeutlichen, warum wir verstärkt auf gesunde Schulen setzen sollten und wie wir solche Schulgebäude realisieren können. Am Anfang steht immer der Mensch: er muss begreifen, dass das Raumklima innerhalb eines Gebäudes wichtig ist. Die Menschen müssen verstehen, dass unsere Kinder eine gesunde Schule benötigen, um sich gut entwickeln zu können. Die Generation der Zukunft verdient gesunde Schulgebäude! Dafür können wir gemeinsam sorgen. Die Frage ist. Was können Sie dazu beitragen?

Warum ein gesundes Schulgebäude?

In Europa und Amerika verbringen ungefähr 90 Prozent der Menschen ihre Zeit in einem Gebäude. Wir wohnen in einem Haus, wir arbeiten in Gebäuden, und unsere Kinder werden in Gebäuden unterrichtet. Das bedeutet, dass wir ziemlich oft ungesunder Luft ausgesetzt sind.

Studien zeigen, dass die Schadstoffkonzentrationen (Gase, Feinstaub etc.) in geschlossenen Räumen manchmal um das Fünffache höher sind als im Freien. Und die Menschen, die besonders anfällig für die negativen Auswirkungen von Luftverschmutzungen sind (etwa Kinder, ältere oder kranke Menschen), verbringen häufig noch mehr Zeit in geschlossenen Räumen.

In den vergangenen Jahren sind die Schadstoffkonzentrationen leider immer weiter gestiegen. Wir bauen energieeffizient, sorgen für wenig Belüftung oder warten die Filter nicht gut. Darüber hinaus setzen wir Materialien ein, die Schadstoffe in der Luft freisetzen. Denken Sie hierbei an Putzmittel, synthetische Baustoffe, Klebstoffe und Farben, synthetische Lufterfrischer oder an brandhemmende Stoffe in Möbeln usw.

Diese Faktoren treten in all unseren Gebäuden auf. Bedenkt man allerdings, dass sich schadstoffbelastete Luft ohne ausreichende Ventilation im untersten Meter eines Gebäudes anreichert, so wird einem klar, was das für unsere Kinder bedeutet.

Luftholen und Durchatmen ist unter solchen Bedingungen kein positiver Faktor für die Gesundheit.

Umzug in ein gesundes Gebäude

In einer Studie der Universität Maastricht, Moving to Productivity, wurde festgestellt, dass ein Umzug in ein gesundes Gebäude zu einer Abnahme von 42% der sick-building-bezogenen Beschwerden führt. Man bedenke, was dies für Schulkinder bedeuten würde. Die Plattform “Gezondheidsnet” schreibt das folgende in Bezug auf das Sick-Building-Syndrom:

“Das Sick-Building-Syndrom kann zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, trockenen Augen, Halsschmerzen, trockener Haut, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und einem Gefühl von Übelkeit und Schwindel führen. Die schlechte Luftqualität kann darüber hinaus Asthma und Allergien verschlimmern. Bei einem Besuch des Gesundheitsamtes im Rahmen des Projekts “Binnenmilieu Basisscholen” stellte sich heraus, dass die abgestandene Luft in der Klasse die Leistungen der Schüler nachweislich verschlechtert.”

Was also können wir erreichen, wenn die Schulkinder in ein gesundes Gebäude umziehen können?

  • Einen Beitrag zur Gesundheit der Kinder leisten;
  • Weniger Atemwegsbeschwerden wie Asthma;
  • Bessere Konzentrationsfähigkeit;
  • Weniger Stress für Lehrkräfte, die ungestörter arbeiten können;
  • Bessere Leistungen.

Lasst uns gemeinsam ein Bewusstsein hierfür schaffen!

Um die Auswirkungen eines gesunden Gebäudes auf die Leistungen von Schulkindern beziffern zu können, erforscht die Universität Maastricht über einen Zeitraum von fünf Jahren bei 10.000 Kindern Phänomene mit dem Ziel, die aufgestellten Thesen verifizieren zu können. Sensoren messen dabei im Laufe der Studie verschiedene Faktoren in den Klassenräumen. Die Absicht der Studie ‘Indoor Environmental Quality and Learning Outcomes’ ist öffentlich einsehbar.

Kann eine Schule gesund sein?

Dass ein gesundes Schulgebäude gar nicht so schwer zu verwirklichen ist, zeigt sich am Beispiel der Grundschule “De Zuidstroom” in Venlo. Hier strömt andauernd gereinigte Luft mit der richtigen Temperatur hinein. Auf dem Boden liegt ein C2C-zertifizierter Teppich, der Feinstaub absorbiert. Hier werden die Kinder auf eine gesunde Zukunft für sich selbst und ihre Umgebung vorbereitet.

Nachstehende Auflistung zeigt, welche Aspekte ein gesundes Schulgebäude ausmachen:

  • Ausreichende Belüftung (zum Beispiel eine Art Luftzirkulation wie sie in einem Termitenhügel vorherrscht), die den Luftstrom auf eine natürliche Art und Weise durch das Gebäude leitet, so dass so wenig wie möglich an Energie hierfür benötigt wird;
  • Gesunde und sichere Materialien mit so wenig chemischen Ausdünstungen wie möglich;
  • Pflanzen und Wasser, um das Raumklima zu beeinflussen;
  • Große Fenster für ausreichend Tageslicht, mit Abschattungsanlage als Hitzeschutz;
  • Fenster, die zum Zwecke der Frischluftzufuhr geöffnet werden können;
  • Akustische Maßnahmen, zum Beispiel absorbierende Systemdecken, absorbierende Wände sowie Raumteiler, Pflanzen und andere Materialien;
  • Harmonische Proportionen und Formen;
  • Aktive Architektur, die Kinder dazu animiert, sich zu bewegen;
  • Vielfalt an Materialien, Texturen, Formen und Farben.

Finanzielle Machbarkeit

Es ist ein großer Mythos, dass gesund bauen teuer ist. Das stimmt nämlich nicht. Die Anfangsinvestition kann zwar etwas höher sein, auch wenn sich diese in den meisten Fällen noch in Grenzen hält. Wenn wir sämtliche Budgets getrennt betrachten, werden wir per Saldo sogar schwarze Zahlen schreiben.

Auf die finanzielle Machbarkeit haben verschiedene Elemente Einfluss, über die bisher noch nicht in der Gestalt nachgedacht wird:

  • Eigentümer gesunder Gebäude müssen nicht zwangsläufig Eigentümer aller Materialien und des Inventars sein. Das wirkt sich positiv auf die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes sowie auf den Restnutzungswert des Gebäudes aus und man kann sicher sein, ein gut durchdachtes Produkt von einem Hersteller zu bekommen, der für den Gebrauch und den Verbrauch (zum Beispiel Energie) der Produkte verantwortlich bleibt;
  • Langfristige Folgekosten schlechter Lernergebnisse sind nach heutigem Stand der Dinge noch nicht gut zu beziffern, aber sie sind nachweislich vorhanden und qualifizierbar;
  • Krankheitsbedingte Kosten bei Lehrern. Sick-Building-Beschwerden, Burn-Out;
  • Kosten für Nachhilfestunden für Kinder, die viel mehr unter ADHS-artigen Symptomen und Konzentrationsstörungen leiden;
  • Kosten für die Bekämpfung von Adipositas bei Kindern;
  • Gesellschaftliche Kosten und gesundheitliche Langzeitfolgen;
  • Darüber hinaus ist es so, dass innovative gesunde Materialien mit zunehmender nachfrage erschwinglicher werden. Denn, je mehr gesunde Gebäude entstehen, desto bezahlbarer werden die Lösungen, diese zu realisieren.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Bei der Umgestaltung von Schulen zu gesunden Gebäuden kann jeder einen Beitrag leisten.

Sobald ein (bestehendes, konventionelles) Gebäude modernisiert werden muss, könnten Kommunen den Aspekt gesunder Schulgebäude aufgreifen. In diesem Fall kann in der Ausschreibung gefordert werden, dass das Projekt “gesund” ausgeführt wird. Hierbei kommt es darauf an, den Architekten, Bauunternehmen und Materiallieferanten die richtigen Vorgaben zu machen.

Schulleiter können ihre zuständige Schulbehörde (Schulamt, Bildungsdezernent etc.) darauf ansprechen, dass sie in einem gesunden Gebäude bessere Leistungen erzielen können. Schulleiter können sich zum Beispiel auch zusammenschließen und das Bildungsministerium mit den Anforderungen an Schulgebäude im Hinblick auf das Thema Gesundheit konfrontieren.

Auch können Lehrkräfte sich mit Eltern zusammenschließen. Sie können Forderungen an die Schulleitung, die Kommunen und Ministerien formulieren.

Architekten und Bauunternehmer können Botschafter des gesunden Bauens werden und die Lösungen praxisnah umsetzbar machen. Es sind auch Eure Kinder, die ein gesundes Schulgebäude verdienen!

Hersteller können Business-Cases für die Arbeitsweisen und Materialien erstellen, die dazu beitragen, dass Gebäude gesund werden.

Eltern können die Diskussion im Hinblick auf gesunde Schulgebäude innerhalb ihrer Schule und Kommune lostreten.

Auch Kinder können ihren Beitrag leisten. Angesichts der vielen Klimaproteste hat sich bei ihnen inzwischen mehr und mehr im Bewusstsein verankert, dass wir in der Welt vor wegweisenden Entscheidungen stehen. Und ein gesundes Gebäude trägt hier wesentlich zu bei.

Fazit

Gesunde Schulgebäude sollten in unseren bebauten Gebieten Priorität haben, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft. Gesunde Schulen tragen maßgeblich zur Gesundheit von Kindern bei. Es ist möglich, gesunde Schulen zu bauen. Praxisbeispiele gibt es, und diese stehen sogar für Besucher offen. Jeder kann also dazu beitragen, dass gesunde Schulen zur Normalität werden. Sprechen Sie miteinander darüber. Lasst uns die Schulen umbauen! Lieber heute als morgen.


Geschrieben von: Desiree Driesenaar   | Foto von: De Zuidstroom

Viersen / Venlo, 09. Juli 2020

Ein gesundes Gebäude besteht aus weit mehr als nur aus gesunden Materialien

Gute akustische Bedingungen sind eine wichtige Voraussetzung für unser Wohlbefinden, unsere Produktivität und letztlich auch unsere Gesundheit. Denn: Im Privat- oder Berufsleben sind wir täglich vielerlei Geräusch- oder sogar Lärmquellen ausgesetzt. Einige davon nehmen wir bewusst wahr, andere nur unbewusst. Wieso es sich also lohnt sich mit dem Thema auseinander zu setzen und was Sie auch tun können, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

Gebäudeakustik

In der Gebäudeakustik wird zwischen zwei Bereichen unterschieden: Gebäudeakustik und Umgebungsgeräusche. Unter Gebäudeakustik verstehen wir Raumakustik, Luftschalldämmung, Aufprallschalldämmung und Installationsgeräusche.

  • Schalldämmung bezieht sich auf die akustischen Eigenschaften von Bauteilen, Systemen und Materialien im Hinblick auf die Ausbreitung und Übertragung von Schall zwischen verschiedenen Räumen eines Gebäudes. Wesentliche Schalldämmeigenschaften eines Gebäudes werden durch die Gestaltung (und Detaillierung) der Gebäudehülle und der verwendeten Baumaterialien bestimmt. Bei der Schalldämmung werden sowohl Luft- als auch Aufprallgeräusche berücksichtigt.
  • Die Raumakustik befasst sich mit den Aspekten der Schallausbreitung in einem geschlossenen Raum. Dies betrifft wünschenswerte Aspekte wie Sprachverständlichkeit und Schutz vor Lärmbelästigung durch (Lärm-) Quellen innerhalb desselben Raums. Die Oberflächen und die Form des Raumes spielen ebenfalls eine Rolle. Unter Berücksichtigung des Verwendungszwecks werden Räume durch bestimmte Anwendungen wie schallabsorbierende Decken- oder Wandsysteme akustisch optimiert.
  • Das Installationsgeräusch konzentriert sich hauptsächlich auf die ausreichende Begrenzung des Geräusches durch technische Installationen, damit die Gebäudebenutzer nicht belästigt werden.

Lärm

Lärm ist ein wichtiger Faktor, wenn es um die Wirkung von Schall und Akustik auf den menschlichen Körper geht. Lärm wird definiert als „unerwünschter oder störender Ton“, der normale Aktivitäten wie Arbeit, Schlafen und Kommunikation beeinträchtigt. In einigen Fällen kann Lärm Ihr Gehör schädigen, dies ist jedoch möglicherweise nicht immer der Fall. Lärmbedingte Störungen (Ablenkungen) können zu einer Vielzahl von Einschränkungen führen, selbst wenn die Geräuschpegel relativ niedrig sind. Neben potenziellen Kommunikationsbarrieren kann Ablenkung auch die Leistung und letztendlich die Gesundheit der Benutzer beeinträchtigen.

Menschliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit

Lärm am Arbeitsplatz kann die Gefahr von Unfällen erhöhen und die Leistung und Produktivität der Mitarbeiter, gerade bei schwierigen und komplexen Aufgaben, beeinträchtigen. Kommt es zu einer Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, reagieren wir mit Stress, Reizbarkeit und allgemeinem Unwohlsein.

Zahlreiche Studien belegen, dass Lärmbelastung die Funktion vieler innerer Organe und Systeme des Körpers verändern. Die Folgen davon können u. a. ein erhöhter Blutdruck und Veränderung der Herzfrequenz sein. Wenn ein Bürogebäude mit Einrichtungen ausgestattet ist, die Benutzer vor unerwünschtem Lärm schützen, ist die durchschnittliche Anzahl von Krankheitstagen nachweislich geringer. Das macht es wirtschaftlich rentabel, da die Personalkosten das größte Kostenelement einer Organisation sind.

Bewusstsein schaffen

Im Sinne eines jeden Einzelnen sollten Gebäude deshalb so konzipiert und ausgestattet sein, dass eine stressmindernde und gesundheitsfördernde Umgebung geschaffen wird. Hierfür stehen vielerlei Lösungen zur Verfügung. Welche das sind und was gerade bei Bestandsimmobilien hilft, erläutern wir Ihnen in den kommenden Wochen ausführlicher.


Quellen Akustik

Foto: Tirachard Kumtanom via Pexels

 

Viersen, 03. Juli 2020

Gute Akustik – ein so bedeutender Faktor, wenn es um allgemeines Wohlbefinden und Lebensqualität geht. Wir haben mit Maximilian Schmitz vom SmartRaumProjekt gesprochen und ihn gefragt, was er unter guter Akustik versteht und was Raumakustik mit Ästhetik und Design zu tun hat.

HBN: Herr Schmitz, was ist Ihre Idee zum Thema „gute Akustik“?

M.F. Schmitz: Ausgehend von meiner langjährigen Hörerfahrung als Mensch, Musiker und Lehrender an der Uni habe ich bemerkt, dass das Thema Akustik nicht die Beachtung erfährt, die es verdient. Wenn man sich vorstellt, dass man seine Augen schließen kann, wenn man unschöne Dinge sieht, aber seine Ohren nicht einmal verschließen kann, wenn man schläft, erscheint es plötzlich ganz logisch, dass diesem Sinn – dem Hörsinn – mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Tägliche Erfahrungen in größeren öffentlichen Räumen, in Büros und Praxen aller Art haben mich zum Nachdenken gebracht. Warum bin ich in dieser alltäglichen Situation auf einmal so gestresst? Warum bin ich viel erschöpfter nach einem Arbeitstag in lauter Umgebung? Schlechter hörende Menschen in ungünstigen akustischen Umgebungen eingeschränkt oder hilflos zu erleben, hat mich darüber hinaus angestoßen.

Eine gute Akustik wirkt also als Faktor in vielen Bereichen: Bei der Arbeit im Büro, wenn man ohne lästige Nebengeräusche von Kollegen, Telefonen und Geräten in Ruhe denken und arbeiten kann. Beim Arzt, wenn man nicht nachfragen muss, was der Arzt oder seine Mitarbeiterin gesagt haben, oder man nicht flüstern muss, weil man aus eigener Erfahrung weiß, dass alle im Warteraum mitbekommen wo es zwickt. Und natürlich in Bereichen, in denen viele Menschen zusammenkommen, wie etwa Foyers oder Restaurants. An solchen Plätzen kann man sich häufig nicht entspannt unterhalten, weil es zu laut ist. Aber gerade dafür sind sie doch gemacht, diese Plätze der Begegnung und des Genusses.

Es geht um Lebensqualität, denn eine gute Akustik wirkt im Ganzen positiv auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit, eine schlechte Akustik bewirkt das Gegenteil. Aus diesen Erkenntnissen heraus ist z.B. die DIN 18041 festgelegt worden, die die Hörsamkeit von Räumen im Zusammenhang mit ihrer Nutzung beschreibt.

HBN: Und was hat Raumakustik mit Ästhetik zu tun?

M.F. Schmitz: Zunächst einmal nichts, leider. Denn das Auge hört mit, wie wir gerne sagen. Aber das Auge dominiert auch bei den abstrakten Bauentwürfen. Es werden ansehnliche Gebäude geplant und gebaut, deren Entwürfe die Betrachter überzeugen sollen. Die visuellen Aspekte sind auf dem Papier offensichtlich, die akustischen dagegen gar nicht. Und so wird sehr oft erst bei Bezug festgestellt, dass da etwas so gar nicht funktioniert, nämlich die Raumakustik.

Unser Ansatz beginnt mit der ästhetischen Integration der raumakustischen Maßnahmen. Das klingt jetzt etwas abgehoben, ist aber vollkommen bodenständig, da physikalische Parameter behandelt werden. Nur eben visuell stimmig, im besten Einvernehmen mit den Kunden und Gegebenheiten. Für die gestalterischen Aspekte ist meine Schwester Sabine zuständig. Sie ist eine hervorragende Innenarchitektin – ich darf das ja sagen. Daher hat sie einen ganz anderen Zugang zur Materie als ich, der ein bekennender Ohrenmensch ist – und wir „zanken“ uns gerne um die Details. Wo Sabine aus ästhetischen Gründen gerne weniger Eingriffe in die Struktur hätte, möchte ich aus akustischen Gründen manchmal mehr. Die Diskussionen ergeben dann letztlich nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern das größte gemeinsame Vielfache!

Das macht Spaß, den Kunden geht es besser und sie sind zufrieden. Und das macht noch mehr Spaß.


Foto: SmartRaumProjekt

 

Viersen, 23. Juni 2020

Mit über 60 Teilnehmern fand am 17. Juni 2020 das zweite Live-Webinar unseres Projekts fand statt. Dabei war es das erste Mal, dass wir bei einem Netzwerkmitglied zu Gast waren.

Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und heute moderner denn je, auch wenn er in der Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten ist. Seine regionale Verfügbarkeit sowie bauphysikalischen und baubiologischen Eigenschaften, die sich bspw. positiv auf das Raumklima auswirken, machen ihn zu einem perfekten Rohstoff für gesundes Bauen oder Renovieren.

Nachdem für diesen Tag ursprünglich ein Best-Practice-Besuch mit Besichtigung der Produktion geplant war, musste dieser aufgrund der aktuellen Bestimmungen auf September 2020 verschoben werden. Nichtsdestotrotz wollten wir Ihnen dennoch die Gelegenheit geben, mehr über den Baustoff Lehm zu erfahren. Nach einem kurzen Film zur Einführung in das Thema „Baustoffe aus Lehm“, hatten die Teilnehmer Gelegenheit ihre Fragen zu stellen, Die beantwortete Ulrich Röhlen, Marketing- und Technikleitung bei Claytec.

Die rege Teilnahme und die Fülle an Fragen zeigen uns, dass ein hohes Interesse an gesundem Bauen und Renovieren und in diesem Fall auch insbesondere am Baustoff Lehm besteht. Aus diesem Grund werden wir zukünftig vermehrt Webinare anbieten.

Wir haben einen Mitschnitt angefertigt, damit Sie jederzeit bequem wieder darauf zurück greifen können:

 

Sie möchten sich und Ihr Unternehmen vorstellen und Gastgeber eines unserer Webinare werden? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

‘s-Hertogenbosch/ Venlo, 19. Juni 2020

Das neue Venloer Rathaus (Stadskantoor Venlo) ist ein Beispielgebäude im Bereich des zirkulären (Cradle to Cradle), grünen und gesunden Bauens. Zur Vorbereitung dieses Pilotprojekts wurde ein Business Case erarbeitet, in dem die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) anstelle der üblichen Amortisationszeiten betrachtet wurden. Ein bahnbrechender Schritt, bei dem die Gemeinde Venlo mit BBN, Kraaijvanger, RoyalhaskoningDHV & C2C ExpoLAB kooperierte.

Das Gebäude wurde 2016 in Betrieb genommen und erst kürzlich hat die Gemeinde Venlo HEVO BV damit beauftragt zu untersuchen, ob der Business Case auch wie geplant aufgegangen ist. Die Erstellung eines solchen Geschäftsszenarios war für alle Parteien Neuland. Auch wenn er deshalb noch nicht perfekt war, diente er uns dennoch als Inspirationsquelle und war ein guter erster Schritt in die richtige Richtung. Durch die Untersuchung sowohl des Business Cases als auch des gesamten Bauprojekts möchten wir Lehren daraus ziehen, um kontinuierlich weitere Verbesserungen vornehmen zu können.

Hierzu HEVO: „Im Bausektor ist es ungewöhnlich, dass eine umfassende Bewertung durchgeführt wird. Dies geschieht höchstens nach Abschluss der Bauphase. Eine Auswertung, bei der die Ergebnisse aus der Nutzungsphase mit den Vorhersagen in der Entwurfsphase verglichen werden, ist noch seltener. Es freut uns daher sehr, dass die Gemeinde Venlo das Projekt weiterhin untersuchen möchte. Dies ist eine äußerst wichtige Ressource für das Lernen und die bessere Umsetzung neuer Projekte.“

Die bisher gezogenen Lehren aus der Planung und dem Bau des Stadkantoors Venlo werden in den folgenden neun Punkten aufgelistet:

  1. Erstellen Sie einen integralen Business Case, in dem alle relevanten Kostenarten enthalten sind.
  2. Begründen Sie die Variablen im Geschäftsfall; dies ist notwendig, um den Business Case anschließend verifizieren und überprüfen zu können. Stellen Sie sicher, dass Sie auch nach einigen Jahren noch wissen, woher die verwendeten Zahlen, die Begründung für die Auswahl einer Option und die Begründung für die Abweichung stammen, unabhängig von den beteiligten Personen. Denken Sie über die Arbeitsmethode des Systems Engineering nach. Stellen Sie sicher, dass Quelldaten und Quellenangaben enthalten sind.
  3. Im vorliegenden Business Case des neuen Venloer Rathauses (erstellt vor 2016) wurde ein Referenzgebäude mit dem Stadtbüro von Venlo in Bezug auf Wasser und Energie verglichen (1% der Kosten des Arbeitgebers). Wir haben nun weitere Schritte unternommen, sodass der Restwert von Material, Produktivität und Fehlzeiten (95% der Kosten des Arbeitgebers) ebenfalls mit einbezogen werden können. Dieses neue Gebäude hat vielen Menschen die Augen geöffnet, dass der Business Case für gesunde und produktive Mitarbeiter (90% der Kosten des Arbeitgebers) noch interessanter ist, als nur die Amortisationseffekte der Lenkung auf Energieeinsparungen, Wartung und Restwert von Materialien zu betrachten.
  4. Stellen Sie sicher, dass ein integriertes Dokumentenmanagementsystem angewendet wird, damit alle Informationen aus der Bau- und Nutzungsphase anschließend verfügbar sind. Trotz der Tatsache, dass alle Informationen digital verfügbar sind, scheinen sie schnell verloren zu gehen.
  5. Lassen Sie komplexe Kostenvoranschläge und Amortisationszeiten vor der Entscheidungsfindung von einer unabhängigen Partei überprüfen.
  6. Bei Vergleichen zwischen einem nachhaltigen Gebäude und einem Referenzgebäude müssen vollständige Gebäudeenergiekostenmodelle angewendet werden. Vergleiche zu Teilen / Subsystemen können nicht einfach addiert werden. Diese Arten von Systemen sind jetzt auf dem Markt erhältlich.
  7. Bei der Erstellung von mehrjährigen Wartungsplänen muss die gesamte (geplante) Lebensdauer des Gebäudes berücksichtigt werden. Nach Wartungsangeboten müssen diese an die tatsächlich erwarteten Kosten angepasst werden. Diese sollten jährlich in das Budget der Organisation aufgenommen werden.
  8. Überwachen und veröffentlichen Sie Ihren tatsächlichen Energieverbrauch. Stellen Sie sicher, dass der gesamte Energieverbrauch für die spezifischen Nutzungszwecke gemessen wird. Bewerten Sie regelmäßig den Energieverbrauch im Vergleich zum prognostizierten Verbrauch und untersuchen Sie den Grund für den Unterschied mit möglichen Verbesserungen. Verwalten Sie aktiv die Umsetzung der energiesparenden Beratung.
  9. Die vielleicht wichtigste Schlussfolgerung: Stellen Sie sicher, dass jemand innerhalb der Organisation für die integrale Verwaltung von Informationen (Datenmanagement) und das Lernen aus deren Nutzung verantwortlich ist. Jemand, der leichten Zugang zu den (Nutzungs-)Daten hat und Alarm schlagen kann, wenn Abweichungen festgestellt werden. Dies kann sich auch positiv auf Kosteneinsparungen auswirken!

Die Ergebnisse des Business Cases für das Stadskantoor Venlo konnten weitgehend verifiziert werden. Bei der Betrachtung einzelner Elemente gab es jedoch hier und da einige Verschiebungen, einige positive und einige negative, so dass die Gesamtsumme den Vorhersagen entsprach. Durch die anschließende Prüfung konnte die Organisation ihre Geschäftstätigkeit pünktlich aufnehmen. Und, auch wenn wir leider nicht in die Zukunft sehen können, so können wir den Business Case für zirkuläre und gesunde Gebäude stetig weiterentwickeln, damit die Entscheidungsfindung hinsichtlich eines gesunden und zirkulären Gebäudes unterstützt werden kann.

Sie möchten mehr erfahren?

Michel Weijers vom C2C ExpoLAB (www.c2cexpolab.eu) und Willem Adriaanssen von HEVO BV (www.HEVO.nl) stehen Ihnen hierfür gerne zur Verfügung.


Klicken Sie hier um weitere Informationen zum vorgestellten Business Case zu erhalten (nur in Niederländischer Sprache verfügbar).

Klicken Sie hier um die Wissendatenbank des Healthy Building Networks einzusehen.

Venlo, 10. Juni 2020

Holz ist ein altbewährter Baustoff und seit einigen Jahren erlebt das Material eine Renaissance, doch der große Durchbruch in unserer Region bleibt weiterhin aus – und dies zu Unrecht, denn Holz gilt heute als höchst moderner, vielseitig einsetzbarer und vor allem umweltfreundlicher Werkstoff und stammt noch zu großen Teilen aus heimischer Produktion.

Doch warum bauen wir immer noch dasselbe, was wir vor 100 Jahren getan haben? Das fragt sich der Architekt Andrew Waugh jeden Tag. Der Bauprozess ist ineffizient; ein Drittel der Aufgaben wird zweimal ausgeführt, nicht weniger als 50% der Baumaterialien werden weggeworfen und 10% des gesamten Baubudgets werden für Fehler ausgegeben, die während des Prozesses gemacht werden. Ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Die aktuelle Situation

Der heutige Wohnungsbau ist international einer der am stärksten verschmutzenden Sektoren. Nicht weniger als 9% der gesamten CO2-Emissionen entstehen bei der Herstellung von Beton. Das ist mehr als bei der Luftfahrt (3%). Um u. a. auch unser Stickstoffproblem lösen zu können, wird die Bauindustrie mit uns gemeinsam innovativ sein müssen, denn Bauen mit Holz hat vielerlei Vorteile.

Holzbau als Problemlösung

So könnte Bauen mit Holz (CLT/Cross-lined Wood) das Stickstoffproblem verringern. Bäume absorbieren und behalten Stickstoff (auch nach dem Fällen). Das macht unsere Häuser zu einem CO2-Speicher. Durch eine erhöhte Nachfrage nach Holz, z. B. beim Holzbau, müssen mehr Bäume gepflanzt werden. Und mehr Bäume bedeutet eine höhere CO2-Speicherung.

Die Frage, die sich dann für viele stellt: Haben wir genug Bäume? Die Antwort ist eindeutig ja. Im Vergleich zu Beton wird beim Holzbau nur halb so viel Material benötigt. Darüber hinaus erzählt Marco Vermeulen, dass in den Niederlanden derzeit 22.000 Häuser pro Jahr (in ungeschützten Gebieten) „wachsen”. In Finnland wächst sogar alle 14 Sekunden ein neues Haus. Aber auch Deutschland ist gut aufgestellt. Das Land besteht zu einem Drittel aus Wald und hat das höchste Holzaufkommen innerhalb der gesamten EU. Die Bäume, die derzeit geerntet werden, werden derzeit für minderwertige Produkte wie Zellstoff verwendet. Viele Wälder sind alte Produktionswälder, die das Ökosystem nicht fördern und z.B. Waldbrände verursachen. Um mit Holz bauen zu können, werden weitere Bäume geplant. Bauen mit Holz schafft also automatisch mehr Wald.

So könnte Bauen mit Holz (CLT/Cross-lined Wood) das Stickstoffproblem verringern. Bäume absorbieren und behalten Stickstoff (auch nach dem Fällen). Das macht unsere Häuser zu einem CO2-Speicher. Durch eine erhöhte Nachfrage nach Holz, z. B. beim Holzbau, müssen mehr Bäume gepflanzt werden. Und mehr Bäume bedeutet eine höhere CO2-Speicherung.

Die Frage, die sich dann für viele stellt: Haben wir genug Bäume? Die Antwort ist eindeutig ja. Im Vergleich zu Beton wird beim Holzbau nur halb so viel Material benötigt. Darüber hinaus erzählt Marco Vermeulen, dass in den Niederlanden derzeit 22.000 Häuser pro Jahr (in ungeschützten Gebieten) „wachsen”. In Finnland wächst sogar alle 14 Sekunden ein neues Haus. Aber auch Deutschland ist gut aufgestellt. Das Land besteht zu einem Drittel aus Wald und hat das höchste Holzaufkommen innerhalb der gesamten EU. Die Bäume, die derzeit geerntet werden, werden für minderwertige Produkte wie Zellstoff verwendet. Viele Wälder sind alte Produktionswälder, die das Ökosystem nicht fördern und z.B. Waldbrände verursachen. Um mit Holz bauen zu können, werden weitere Bäume geplant. Bauen mit Holz schafft also automatisch mehr Wald.

Gesundheitliche Aspekte

Neben den Vorteilen für die Umwelt hat Holz auch Vorteile für das Raumklima. Es hat eine stark isolierende Wirkung (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1. Die isolierende Wirkung von Holz

Darüber hinaus sorgt es für eine stabilere Luftfeuchtigkeit im Gebäude. Mehrere wissenschaftliche Studien haben belegt, dass das Material eine beruhigende Wirkung auf Menschen hat und ihr Wohlbefinden erhöht, wenn es im Innenraum verbaut wurde. Doch auch die Leistungs- und Erholungsfähigkeit wird positiv beeinflusst. Ein weiterer Vorteil von vielen: Bestimmte Holzsorten haben eine antimikrobielle Wirkung, so sterben bspw. krankenhaustypische Keime auf Kiefernkernholz schneller ab als auf Kunststoffoberflächen.

Umdenken erforderlich

Trotz aller Vorteile stoßen die Holzbauer auf ein Problem. Es bedarf gesellschaftlicher Veränderungen, um Verbraucher und Bauunternehmen vom Bauen mit Holz zu überzeugen. Damit es durchführbar ist, muss es Größenvorteile geben. Die traditionellen Bauunternehmen haben jedoch noch viele (finanzielle) Interessen im alten System. Dies verlangsamt den Übergang zur neuen Norm: Holzbau!

Dieser Artikel basiert größtenteils auf der Dokumentation ‘Holzbauer’ von VPRO Tegenlicht. Die vollständige Dokumentation in niederländischer Sprache können Sie hier abrufen:

https://www.vpro.nl/programmas/tegenlicht/kijk/afleveringen/2019-2020/houtbouwers.html

Quellen

 

Venlo, 04. Juni 2020

Wie wirkt sich der Umzug in ein gesundes Gebäude auf die menschliche Gesundheit aus?

Prof. Dr. Piet Eichholtz hat zusammen mit Dr. Nils Kok und Juan Palacios im Jahr 2016 mit einer Forschung  zur Untersuchung des Umzugs von Mitarbeitern der Stadtverwaltung Venlo begonnen. In der Studie mit dem Namen „Moving to productivity” wurde analysiert, wie die Veränderungen in den verschiedenen Raumklimata zur Verringerung der Symptome des Sick-Building-Syndroms beitragen. Untersucht wurde dabei die Situation nach dem Umzug im Vergleich zur Ausgangssituation vor dem Umzug der Mitarbeiter.

In Zusammenarbeit mit dem C2C ExpoLAB hat Bluehub ein Factsheet dieser Untersuchung erstellt, um ein klares Bild davon zu vermitteln, wie sich ein Umzug in ein gesundes Gebäude auf die Mitarbeiter auswirkt.

Die Forschungen des Teams von Piet Eichholtz wurden zu folgenden Themen durchgeführt:

  • Luftqualität
  • Temperatur
  • Aktustik
  • Licht

Vor dem Umzug, im Sommer 2016, fand eine 0-Messung statt, bei der die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Venlo anhand der Themen Luftqualität, Temperatur, Akustik und Licht in ihren Büros eine Bewertung zwischen 1 (sehr unzufrieden) und 7 (sehr zufrieden) abgeben konnten. Sie wurden auch gefragt, ob die Mitarbeiter an bestimmten Symptomen litten, die typisch für das Sick-Building-Syndrom sind. Nach dem Umzug einiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung Venlo fand die gleiche Umfrage im Winter 2016/2017, im Sommer 2017 und im Sommer 2018 statt. Diese Untersuchungen fanden sowohl bei den Mitarbeitern, die in das neue Rathaus umgezogen sind als auch bei den Mitarbeitern, die nicht umgezogen sind, statt. Nach Abschluss der Erhebungen wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrem Büro und der Verringerung von Beschwerden im Zusammenhang mit krankmachenden Gebäuden gibt. Und hier schien ein Zusammenhang sichtbar zu sein.

Die Studie kam unter anderem zu dem Schluss, dass die Luftqualität der wichtigste Faktor bei der Prävention von Symptomen des Sick-Building-Syndroms ist. Symptome des Sick-Building-Syndroms sind beispielsweise Kopfschmerzen, Halsschmerzen, trockene Augen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel und trockene Haut. Bei schlechter Luftqualität steigt das Risiko eines Krankheitsbildes um 10 Prozentpunkte. Darüber hinaus wurde der Schluss gezogen, dass der Umzug in ein gesundes Gebäude zu 42% weniger Beschwerden im Zusammenhang mit kranken Gebäuden führt.

Neben der Luftqualität sind die Mitarbeiter auch mit der Temperatur und dem Licht im Büro zufriedener. Nach Angaben der Mitarbeiter ist der Klang gleichgeblieben. Das ist nicht besser geworden, aber es ist nicht schlechter geworden. Ein bemerkenswertes Ergebnis, sagt Prof. Dr. DR. Piet Eichholtz als neues Stadtbüro nutzt viele Freiflächen, während die Mitarbeiter zuvor ein eigenes Büro hatten, das sie mit 1 bis 2 Personen teilten.

Derzeit wurde durch Ausfüllen von Fragebögen geforscht, aber in naher Zukunft werden die oben genannten Themen auch mit Hilfe von Gerätesensoren untersucht. Basierend auf den Ergebnissen der Forschung von Prof. Dr. DR. Piet Eichholtz hat angenommen:

Mitarbeiter, die in einem gesunden Gebäude arbeiten, sind produktiver und benötigen aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit dem Krankheitssyndrom weniger Krankheitstage. Als Ergebnis der Forschung wird erwartet, dass die Fehlzeiten aufgrund von Beschwerden über das Krankheitsbildungssyndrom um 1% abnehmen. Die Gemeinde Venlo zahlt jährlich Personalkosten in Höhe von 40.000.000 €. Das heißt, wenn die Abwesenheit um 1% abnimmt, entspricht dies einem Produktivitätsgewinn von 400.000 € pro Jahr.

Angesichts dieser Hypothese ist es für Unternehmen neben der Gesundheit ihrer Mitarbeiter auch finanziell vorteilhaft, ihre Mitarbeiter in einem gesunden Gebäude unterzubringen.

Natürlich ist es nicht immer möglich, sofort auf ein gesundes Gebäude umzusteigen. Der Bau eines neuen Gebäudes oder eines Umzugs ist mit einer Investition verbunden, die leider nicht immer möglich ist. Deshalb möchten wir Ihnen einige Tipps geben, wie Sie ein Gebäude gesund machen können.

1. (natürliches) Belüftungssystem
Ein natürliches Lüftungssystem sorgt dafür, dass ausreichend Frischluft einströmt und die Raumluft in Bewegung bleibt.
2. Luftbefeuchtung
Mehrere Beschwerden im Zusammenhang mit Krankenhäusern haben mit trockener Luft zu tun. Durch die Befeuchtung der Luft werden die Beschwerden verschwinden, wodurch die Mitarbeiter produktiver werden.
3. Natürliche / unverarbeitete Produkte
Wenn natürliche und / oder unverarbeitete Produkte verwendet werden, breiten sich weniger giftige Substanzen im Raum aus und werden anschließend von den Mitarbeitern eingeatmet.
4. Möglichkeit zum Öffnen von Fenstern
Mitarbeiter mögen es wirklich, wenn sie die Kontrolle darüber haben, ob sie ein Fenster öffnen können.

Das vollständige Factsheet zum Download finden Sie hier.

 

 

Venlo/ Viersen, 13. Mai 2020

Innovation im Bauwesen – heute bereit sein für die Herausforderung von morgen

Innovation bedeutet: wirtschaftlicher Fortschritt und Entwicklung! In Krisenzeiten, wie aktuell zur Zeit der Coronakrise, wird viel über die Rolle von Innovation für das finanzielle Überleben diskutiert. Eine Krise bietet die Möglichkeit zu Veränderungen. Diese sollen zu einer widerstandsfähigeren Wirtschaft/ einem widerstandsfähigeren Geschäft führen. Innovation kann eine Krisensituation in eine Chance verwandeln.

Der Innovationsprofessor Clayton Christensen von der Harvard Business School sagt, dass sich eine Wirtschaftskrise positiv auf Innovationen auswirkt. In Zeiten der Knappheit sollte kein Geld verschwendet werden. Unternehmen werden „gezwungen”, schnell und kostengünstig zu innovieren, was ihre Erfolgschancen erhöht. In diesen Zeiten wagen es die Menschen, ihre Art zu arbeiten (und sogar zu leben) grundlegend zu überdenken. Sie zwingt Unternehmer dazu, langfristig statt kurzfristig zu denken, obwohl dies nicht offensichtlich ist (Cools, Deprez, De Zutter, Van Rossem, & Buelens, 2009).

Dabei werden Innovationen in technologische und nicht-technologische Innovationen unterteilt. Bei den technologischen Innovationen handelt es sich um Produkt- oder Prozessinnovationen. Mindestens ebenso wichtig sind aber auch die nicht-technologischen Innovationen wie die Erschließung neuer Märkte oder soziale Innovationen. Letztere beeinflussen oft die Machbarkeit technologischer Innovationen. Innerhalb des Healthy Building Network überbrücken wir die Kluft zwischen technologischen und nicht-technologischen Innovationen im Bausektor.

Denn auch im Bausektor sind Innovationen erforderlich, um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Etwa die Knappheit von Baumaterialien, die Nutzung fossiler Energie und die Verstädterung. Darüber hinaus ist Gesundheit heute wichtiger denn je.

Der Bausektor ist vielfältig. Die Projekte reichen von großen bis hin zu kleinen Aktivitäten. Die Kohärenz, Komplexität und Vielfalt der Komponenten schaffen ein komplexes Innovationssystem. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Parteien ist notwendig, um erfolgreiche Innovationen zu erreichen.

Häufig gibt es eine Zusammenarbeit zwischen privaten und gesellschaftlichen Akteuren (z.B. Gemeinden). Beide haben jedoch andere Interessen, die miteinander in Konflikt geraten können. Der Austausch von Wissen könnte eine Antwort auf soziale Fragen geben, aber er könnte sich negativ auf die Wettbewerbsposition der Marktteilnehmer auswirken. Auch die kurz- und langfristigen Perspektiven der Akteure können kollidieren. Erfolgreiche Innovation ist daher auch mit einer nachhaltigen und strukturellen Zusammenarbeit verbunden, bei der Interessen zusammenkommen. (Arnoldussen, Groot, Halman, & Van Zwet, 2017).

Das Healthy Building Network initiiert internationale Zusammenarbeit, die zu erfolgreichen (sozialen) Innovationen führt. Durch Innovationen mit Ihnen wollen wir den Bausektor widerstandfähiger machen. Sind Sie für die Herausforderung von morgen bereit?

Suchen Sie weitere Informationen über gesundes Bauen oder Innovation oder sind Sie auf der Suche nach Kooperationspartnern? Bitte kontaktieren Sie uns unter: info@healthybuildingnetwork.com oder antworten Sie auf diese Nachricht.

Quellenangaben

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