Venlo, 23. Oktober 2020

Das neue Venloer Rathaus, das Stadskantoor Venlo, gilt als Pilotprojekt in unserer Region für gesundes und nachhaltiges Bauen und diente als Anlass das Projekt Healthy Building Network ins Leben zu rufen. Auch wenn das Gebäude vielen Menschen ein Begriff ist, so ist nach wie vor nicht jedem bekannt welche Besonderheiten es aufweist und was hier anders als bei konventionellen Gebäuden ist. Das möchten wir ändern!

Aktuell sind zwar keine Besuche im Stadskantoor Venlo möglich, doch das soll uns nicht  davon abhalten, Ihnen dieses gesunde Gebäude näher zu bringen. Unsere Kollegen Bas van de Westerlo & Michel Weijers nehmen Sie mit zu einem virtuellen Rundgang und erläutern Ihnen die Besonderheiten dieses Baus.

Überzeugen Sie sich selbst!

Venlo, 13 oktober 2020

Am Montag, den 12. Oktober, überreichte Michel Weijers vom Healthy Building Network zwei Innovationsgutscheine an Jan Houwen von Volantis Consultants. Die Gutscheine werden für die Durchführung zweier Studien eingesetzt, die hauptsächlich auf die Verbesserung des Raumklimas abzielen. Die wichtigsten Punkte der Vorhaben haben wir untenstehend für sie zusammengefasst.

Kreislauffähige und gesunde Installationen
Installationen, die ein gesundes Raumklima in Gebäuden gewährleisten, werden immer wichtiger. Die Materialien, die dafür verwendet werden können, haben einen zunehmenden Anteil an den ökologischen Auswirkungen eines Gebäudes. Es ist wichtig, dass gesunde technologische Materialien verwendet werden, die theoretisch auch endlos wiederverwendet werden können.

Mit der Industrialisierung im Bauwesen, der geplanten Energiewende und der Einführung weiterer Installationssysteme wird es immer wichtiger, aber auch schwieriger, diese richtig zu kombinieren und ein gesundes Raumklima zu erreichen. Zeitgemäße Installationen sind leider oft noch nicht zur Wiederverwendung geeignet, und sie sind auch nicht für die Verbesserung eines gesunden Raumklimas ausgelegt.

Ziel ist die Entwicklung eines gesundheitsfördernden und zirkulären installationstechnischen Pflichten- bzw. Lastenkataloges auf der Grundlage von Forschungsarbeiten. Dieser soll sämtliche Aspekte im Hinblick auf Materialien, Wiederverwendbarkeit, Gesundheitsaspekte usw. beinhalten und die Grundlage für die Weiterentwicklung von Anlagen zur Förderung der Gesundheit in Gebäuden bilden.

Hochwertige Belüftung auf Grundlage natürlicher Prinzipien
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Energiewende stark auf geschlossene und kontrollierte Umgebungen konzentriert, die durch mechanische Systeme konditioniert werden. Dies hat nicht immer zu der erhofften Qualitätsverbesserung geführt und erweist sich als anfällig, wenn sie nicht richtig eingestellt oder verwendet wird.

Volantis berät bei der Entwicklung des Spirare Campus. Ziel ist ein besonders gesundes Lernumfeld für besondere junge Menschen. Volantis möchte daher die Möglichkeit untersuchen, Luftverdrängungen auf der Grundlage physikalischer Prinzipien zu realisieren, die eine qualitativ hochwertige Luftqualität und eine ausreichende Steuerbarkeit gewährleisten. Ziel ist es, die Gesundheit und / oder Luftqualität in den Klassenzimmern zu verbessern. Einfach ausgedrückt: Mit Low-Tech-Systemen einen Qualitätssprung in Richtung einer qualitativ hochwertigeren Belüftung für Schulen erzielen.

Interessieren Sie sich auch für einen Gutschein? Klicken Sie hier für weitere Informationen.

 

Foto: Tom Cremers

Weert/ Korschenbroich, 24. September 2020

Moswand.eu untersucht im Rahmen des Voucherprogramms des Healthy Building Network die akustische Wirkung von Moospaneelen. Die Studie findet im Rahmen einer grenzüberschreitenden Kooperation mit der AkustikTeam GmbH aus Korschenbroich statt.

Höhere Produktivität und weniger krankheitsbedingte Ausfälle
In den vergangenen Jahren hat sich Moswand.eu auf das Thema „Grün und Menschen” spezialisiert. Mittlerweile gibt es Studien, die belegen, dass sich das Leben und Arbeiten in einem Raum mit Grün positiv auf die psychische und physische Gesundheit des Menschen auswirkt. Menschen fühlen sich in Räumen mit Moos wohl. Es verbindet Menschen mit der Natur, und die Natur sorgt für weniger Stress. Die Verwendung von Moos in der Inneneinrichtung erzeugt ein Gefühl des Wohlbefindens. Das Ergebnis ist laut Forschungsergebnissen der University of Exeter eine um ca. 15 Prozent erhöhte Produktivität sowie weniger krankheitsbedingter Arbeitsausfall.

Akustische Wirkung
Moosprodukte tragen außerdem zu einer guten Raumakustik bei. „Architekten fragen häufig nach den Eigenschaften und Vorteilen von Moos im Hinblick auf die Akustik. Schall ist nämlich sehr oft ein Problem in Gebäuden”, erläutert John Custers, Inhaber von Moswand.eu. Custers möchte den Mehrwert von Moosprodukten dementsprechend auch quantifizieren. Im Rahmen der Studie wird der Effekt von diversen Moosarten auf verschiedenen Substraten mit unterschiedlichen Befestigungstechniken, entweder auf Holzplatten genietet oder auf Kork befestigt, gemessen. Dabei handelt es sich um bereits präpariertes Moos, welches keine Bewässerung benötigt. Die Ergebnisse der Messung sollen bereits in Kürze zur Verfügung stehen.

Voucherregelung Healthy Building Network
Die Studie erfolgt im Rahmen der Voucherregelung des deutsch-niederländischen Gemeinschaftsprojekts Healthy Building Network (HBN). Finanziell unterstützt wird es durch das INTERREG Programm Deutschland-Nederland. Mithilfe von Innovationsvouchern hilft das HBN Unternehmen (KMU) bei Initiativen hin zu einem gesunden Gebäude. In der Praxis stellt sich oft heraus, dass viele Unternehmen nicht die Netzwerke, Zeit und Mittel haben, um in diesem Bereich spezialisierte Partner ausfindig zu machen. An dieser Stelle unterstützt das HBN Unternehmen. Mit einem Voucher kann ein KMU so einen Entwicklungspartner auf der anderen Seite der Grenze einkaufen, um eine Innovationsanfrage hinsichtlich eines gesunden Gebäudes zu stellen. Somit leistet das HBN einen Beitrag zu mehr gesunden Gebäuden in der euregio rhein-maas-nord.

Fotos: Moswand.eu

Eindhoven, 22. September 2020

Kürzlich besuchten unsere niederländischen Kollegen Eva Starmans und Laure van de Griend Casper De Schrevel und Bastiaan Beerens von der Firma Deerns BV. Bei diesem niederländischen Unternehmen handelt es sich um ein unabhängiges Ingenieurbüro, das sich auf technische Beratung und Engineering spezialisiert hat. Als Experten in den Bereichen Installationstechnik, Bauphysik und Energieversorgung wollen sie zu nachhaltigen, intelligenten und zukunftssicheren Gebäuden beitragen.

Das Team
Das Team ist fachlich breit aufgestellt und ist daher in der Lage, verschiedenste Kundenbedürfnisse optimal bedienen zu können. Casper De Schrevel ist Gesundheitsökonom und Innovationsmanager und fungiert als Botschafter für gesunde Gebäude. Bastiaan Beerens ist Bauphysiker und auf Akustik spezialisiert. Ins einer Rolle als WELL-zertifizierter Fachmann konnte er bereits mehrere Gebäude zu einer WELL-Zertifizierung verhelfen. Er ist auch Botschafter für gesunde Gebäude.

Die WELL-Zertifizierung
Bei der WELL-Zertifizierung handelt es sich um den weltweit ersten Zertifizierungsstandard für Gebäude und wurde vom WELL Building Institute entwickelt. Während sich andere Zertifizierungen auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit konzentrieren, fokussiert sich WELL speziell auf die Umsetzung von Strategien in und um Gebäude, die sich auf die Gesundheit der Gebäudenutzer konzentrieren. Im Prinzip könnte man sagen, dass die WELL-Zertifizierung den Gebäudenutzern Aufschluss über den Nachhaltigkeitsgrad gibt. Das Thema Gesundheit wird somit messbar, so dass Nutzer und Mieter in einem optimal funktionierenden, gesunden Gebäude arbeiten und somit auch selbst optimal funktionieren können. WELL ist aber auch leistungsorientiert: Durch die Implementierung, Validierung und Messung von Maßnahmen und deren regelmäßige Überwachung wird die Leistung eines Gebäudes nachweisbar und transparent.

Der WELL-Standard sieht mehr als 100 Strategien vor, die in 10 Kategorien unterteilt sind: die so genannten „WELL-Konzepte“. Diese Strategien konzentrieren sich sowohl auf die „harte“ Seite (strukturelle und Installationsanforderungen) als auch auf die „weiche“ Seite (betriebliche und organisatorische Anforderungen). Sie befassen sich zum Beispiel mit der Qualität der Innenluft, der Trinkwasserqualität, dem Einfluss von Tages- und Kunstlicht, dem thermischen und akustischen Komfort und der sicheren Verwendung von Materialien. Themen wie gesunde Ernährung, anregende Bewegung, das psychische Wohlbefinden der Gebäudenutzer und soziale Bindung werden ebenfalls behandelt. Dabei versucht WELL, das gesamte Spektrum gesundheitsfördernder Maßnahmen zu berücksichtigen. Das Gute dabei: seine Flexibilität. Denn zusätzlich zu den Grundvoraussetzungen von WELL kann jedes Projekt seine eigenen Werte und Bedürfnisse hervorheben.

Deerns wurde kürzlich vom WELL Building Institute zu einer WELL Performance Testing Organisation ernannt. Das bedeutet, dass sie für die Durchführung von Verifizierungsmessungen und Inspektionen bei WELL-Projekten akkreditiert sind. Dies ermöglicht es ihnen, verlässliche Daten aus Projekten zu erheben, um das WELL-Zertifikat zu erhalten. Bastiaan nimmt uns in einigen Beispielen mit, die sie zu ihrer WELL-Zertifizierung geführt haben.

Gesunde Gebäude in der Praxis
Gesundheit ist ein wichtiges Thema, besonders in Zeiten des Coronavirus. Eine immer größer werdende Gruppe ist sich der Gesundheitsrisiken innerhalb von Gebäuden bewusst. Der Markt verlangt daher zunehmend nach einem gesunden Gebäude. Aus diesem Grund entscheiden sich Bauherren aufgrund von Kundennachfragen zunehmend für ein gesundes (und zertifiziertes) Gebäude.

Der sportliche Bau von ASICS
Die Hauptgeschäftsstelle der Sport- und Lifestyle-Marke ASICS in Hoofddorp ist ein gutes Praxisbeispiel aus der Arbeit von Deerns. Wenn man durch das Gebäude geht, fallen nicht nur die natürlichen Materialien und die gute Beleuchtung auf. Man kann auch viel von der japanischen Kultur sehen, woher die Marke ursprünglich stammt. Sie vermittelt auch, wofür die Marke steht, nämlich Sportlichkeit. Das passt gut zur Unternehmenskultur, denn die Mitarbeiter selbst sind oft sportlich. Deshalb fühlt es sich für sie nicht wie ein gewöhnliches Büro an, es ist viel mehr als das!

Weitere Informationen über dieses Gebäude (in niederländischer Sprache) finden Sie unter: https://www.deerns.nl/nieuwsbericht/deerns-zorgt-voor-gezond-hoofdkantoor-asics 

Danones Food-Spot
Während bei ASICS der Schwerpunkt hauptsächlich auf dem sportlichen Lebensstil der Mitarbeiter lag, es bei Danone das Essen. Bei dem Lebensmittelkonzern arbeiten viele s. g. „Foodies“, also Menschen, mit hohem Interesse an gesunder Ernährung und hochwertig selbstgemachter Speisen. Dies spiegelt sich auch sehr gut am Arbeitsplatz wider, denn hier gibt es eine außergewöhnliche Kantine. Hier kommen die Mitarbeiter wirklich zusammen. Darüber hinaus ist das Gebäude mit natürlichen Materialien ausgestattet, es gibt viel Tageslicht und es wurden ausreichende Maßnahmen ergriffen, um die Akustik zu optimieren.

Weitere Informationen über dieses Gebäude (in niederländischer Sprache) finden Sie unter: https://www.deerns.nl/project/danone

Ein Gebäude muss für die Menschen funktionieren, die es nutzen
Unter diesem Motto arbeitet Deerns jeden Tag an durchdachten Lösungen für eine nachhaltige, gesunde und komfortable Arbeitsumgebung. Die obigen Beispiele veranschaulichen, wie Deerns zur Realisierung gesunder Gebäude beiträgt. In den kommenden Monaten wird das Healthy Building Network weitere dieser Erfolgsgeschichten mit Ihnen teilen, so dass deutlich wird, dass gesundes Bauen wirklich möglich ist und einen guten Business Case hat.

Möchten Sie mehr über Deerns oder eines dieser Praxisbeispiele erfahren? Bitte kontaktieren Sie uns unter den unten angegebenen Kontaktdaten. Folgen Sie unsere Facebook- und LinkedIn-Beiträge im Auge, um weitere Informationen über Deerns, die WELL-Zertifizierung und gute Praktiken zu erhalten! So stehen lassen?

 

Fotos: Bastiaan Beerens

Niederkrüchten, 27. August 2020

Gesunde Baustoffe und Materialien – ein elementarer Faktor, wenn es um gesunde Gebäude geht. In unserem heutigen Beitrag befassen wir uns mit dem Thema Holzbau. Wir haben mit Markus Steppler von der Firma DERIX Holzleimbau über das Bauen mit Holz gesprochen. Im Interview führt er in das Thema „Bauen mit Holz“ ein und geht auf dessen Besonderheiten, Herausforderungen und Vorteile für Umwelt und menschliche Gesundheit ein.

Ein Interview mit Markus Steppler.

Was genau bedeutet Bauen mit Holz?

Holz ist einer der ältesten Baustoffe dieser Welt – und zugleich, mit den neuen Fertigungsmethoden, einer der modernsten. Bauen mit Holz bedeutet heutzutage digitales und nahezu vollständig automatisiertes Bauen. Es werden ganze Wand- und Deckenelemente oder sogar ganze Räume modular und seriell in hoher Vorfertigung in Massivholz hergestellt. Dabei ist der Einsatz von Holz im Bauen vielfältig: Vom reinen Hallentragwerk (etwa für Supermärkte, Logistik-, Sporthallen oder Flughafenterminals) bis hin zu mehrgeschossigen Gebäuden im Wohnungsbau oder für Bürogebäude sind heute vielfältige Einsatzgebiete vorhanden. Dabei kommen Träger, Stützen, Wand- und Deckenelemente in vielfältigen Dimensionen zum Einsatz. Oft wird das Holztragwerk noch ergänzt durch konventionelle Bauteile etwa in den Untergeschossen, Fundamenten oder im Treppenhauskern. In Deutschland ermöglichen die Neuerungen in vielen Landesbauordnungen bereits das Bauen mit Massivholz bis hin zu Hochhäusern – und weltweit gibt es auch hierfür bereits einige eindrucksvolle Beispiele.

Was ist beim Bauen mit Holz besonders und welche Vorteile bringt es mit sich?

Holz ist in erster Linie deswegen einzigartig, als dass es der einzig natürlich nachwachsende Baustoff der Welt ist. Das Bauen mit Holz ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, mit der wir an unserer Welt nicht weiter Zerstörungen vornehmen müssen und trotzdem weiter bauen können. Zudem ist Bauen mit Holz auch die einzige Möglichkeit, klimaneutral zu bauen. Während die Herstellung von Beton / Zement für einen großen Teil der weltweiten CO²-Emissionen verantwortlich ist, binden Holzbauteile sogar langfristig CO² im gewachsenen Tragwerk. Das heißt, über den Substitutionseffekt und den zusätzlichen Bindeeffekt hat Holz gegenüber Beton eine negative CO²-Bilanz – unterstützt durch die nachhaltige Forstwirtschaft in Europa. Weiterhin erzeugen Holzwände und –decken ein sehr angenehmes und gesundes Raumklima, sie haben eine sehr hohe Tragfähigkeit und können damit auch in schlankeren Wandkonstruktionen erstellt werden. Das gibt wiederum Raumgewinn und ermöglicht durch die leichtere Bauweise auch eine schlankere Fundation oder eine Aufstockung im Bestand.

Mit welchen Vorurteilen gegenüber Bauen mit Holz sehen Sie sich regelmäßig konfrontiert?

Holz brennt. Natürlich brennt Holz. So wie auch Möbel brennen, Bodenbeläge, Einrichtungsgegenstände etc. Holz im Tragwerk brennt aber sehr gleichmäßig ab, bildet eine Pyrolyseschicht und kann daher sehr genau auf seine Tragfähigkeitsdauer während eines Brandes bemessen werden. Stahl hingegen versagt irgendwann plötzlich während des Brandes, ohne dass man dem Stahl dies ansehen kann. Unter diesen Erkenntnissen wurden auch zahlreiche Bauordnungen bereits pro Holzbauweise angepasst.

Holz verrottet. Natürlich verrotten einige Holzarten irgendwann, wenn sie es jahrelang Wasser und Witterung aussetzen. Ich beziehe mich aber auf das Holztragwerk, das eigentlich immer vor Witterungseinflüssen geschützt wird und damit eine sehr lange Lebensdauer hat. Sehen Sie sich asiatische Tempelanlagen oder norwegische Stabkirchen an, die komplett aus Holz bereits seit vielen hundert Jahren bestehen. Hier fragt niemand mehr nach Dauerhaftigkeit. Es kommt immer auf eine gute Planung an.

Welche Gründe sind Ihrer Meinung nach ausschlaggebend hierfür?

Beim Brandschutz ist es meines Erachtens nach klar die deutsche Geschichte, insbesondere die Bilder, als im Weltkrieg durch Brandbombenangriffe viele Holzdecken in den Innenstädten zerstört wurden. Diese Bilder sind noch in vielen Köpfen fest verankert. Auf diesen Grundlagen hin wurde Holz auch jahrzehntelang pauschal in höheren Gebäuden ausgeschlossen. Heute weiß man zum Glück mehr über Brandverhalten von Massivholz im Vergleich zu Stahl und Beton, lernt auch von anderen Ländern und hat politisch auch bereits positiv reagiert.

Bei den Themen der Langlebigkeit ist meines Erachtens noch immer nicht das Wissen über den modernen Holzbau in allen Fachkreisen vollumfänglich vorhanden – Ich möchte behaupten, dass in der Fachwelt und auch in der Ausbildung Begriffe wie X-LAM oder Cross Laminated Timber noch nicht überall durchdrungen sind. Unsere Aufgabe ist es nach wie vor, und wird es auch noch die kommenden Jahre sein, dieses Wissen weiter zu verbreiten und durch weitere Projekte auch in die Masse zu tragen.

Auch wenn es immer mehr Holzhäuser gibt, in der Breite ist das Bauen mit Holz noch nicht angekommen. Woran liegt das? Spielen hier ggf. die Kosten eine tragende Rolle?

Ich glaube, auch das hat insbesondere mit der fehlenden Fach- und Produktkenntnis zu tun – nicht nur der Bauherr kennt die heutigen Möglichkeiten mit Massivholz nicht, sondern auch eine Vielzahl von Fachplanern und Architekten. Aufklärungsarbeit, Referenzprojekte und Wissensverbreitung (auch in Studium und Lehre) sind die maßgebenden Faktoren. Denn außer diesem gibt es keinen Grund, warum Holz nicht tragender Bestandteil jeden Gebäudes sein sollte – die positiven Auswirkungen auf unsere Erde und unser Klima sind ja bekannt.

Glauben Sie, dass sich Holzbau langfristig durchsetzen wird?

Das ist nur eine logische Konsequenz. Sie könnten auch fragen, ob sich Windkraft oder Solarenergie langfristig gegen Kohlekraftwerke durchsetzen werden. Ähnlich wie auf Dauer auch erneuerbare Energien oder alternative Automobilantriebe unverzichtbar werden, wird sich auch Holz gegenüber Beton und Stahl noch im 21. Jahrhundert vollständig durchsetzen. Natürlich werden recycelter Stahl und Beton für gewisse Bauteile nach wie vor benötigt, aber im Wesentlichen wird Holz das Tragwerk ersetzen. Nicht zuletzt wird das Thema „Gesunde Räume“ auch eine maßgebliche Rolle einnehmen – die Vision ist, dass wir innerhalb von Gebäuden ein gesünderes Klima schaffen, als draußen an der frischen Luft.

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich zukünftig entgegen?

Die Betonlobby ist vor Allem in Deutschland stark. Holzbauverbände agieren dagegen sehr kleinteilig, die Wirkung kann dadurch etwas untergehen. Ich glaube aber, dass jeder einzelne Mensch, der an unsere Zukunft denkt, aber auch automatisch Teil der Holzlobby ist. Daher ist die zentrale Herausforderung, weiter und weiter Wissen zu verbreiten, die Leidenschaft für klimaneutrales und gesundes Bauen weiter zu entfachen und die Themen der jüngeren Generationen nun auch in voller Breite in die Gesellschaft zu bekommen. Holzbauprojekte sind meist auch architektonische Highlights – Diese Referenzprojekte im Holzbau sind schön, aber das klare Ziel muss es sein, alle sogenannten „Standardbauten“ in den Dörfern, Vororten und Städten ebenfalls komplett in nachhaltiger Holzbauweise umzusetzen.

Welche Beziehung besteht zwischen Holz und der menschlichen Gesundheit?

Holz verbessert das Innenraumklima zum einen, dass es Feuchtigkeit schnell aufnimmt und auch geregelt wieder an den Raum abgibt. Zudem emittiert Holz als sichtbares Wand- oder Deckenelement diverse Stoffe, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Gehen Sie mal im Wald spazieren und genießen Sie diese Stoffe, insbesondere im Nadelwald. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie holen sich den Wald nach Hause oder ins Büro. Es gibt sogar Studien, die eine gesenkte Herzfrequenz von Schulklassen in Holzgebäuden feststellt, und es gibt Anzeichen dafür, dass gewisse emittierte Substanzen aus Nadelholz (Terpenoide) Krebszellen abtöten können.

Welche Rolle spielen Innovationen im Holzbau? Hat sich Holz als Baumaterial weiterentwickelt? Und welches Themenfeld muss noch erforscht werden?

Der Holzbau ist von Innovationen geprägt. Es vergehen immer nur wenige Wochen, bis wieder ein neuartiges Verbindungsmittel, ein neuartiges Berechnungsprogramm oder ein neuartiges Leimsystem auf dem Markt zu finden ist. Die Anlagentechnik in Bezug auf Vorfertigung und Digitalisierung hat sich in den letzten 10 Jahren bereits massiv weiterentwickelt. Meines Erachtens liegen noch viele Potentiale im Bereich der Deckensysteme und im Bereich der Vorfertigung von beispielsweise Außenwandelementen. Zudem würde ich mir noch intensivere Forschung im Bereich der Auswirkungen von Holz auf die Gesundheit des Menschen wünschen.

Wie kann Bauen mit Holz zum Klimaschutz und damit zum Retten der Welt beitragen?

Die Temperatur auf der Erde hängt im Wesentlichen von der CO²-Konzentration in der Atmosphäre ab. Und hier hat die Menschheit in den letzten 100 Jahren (!) eine Konzentration von über 400 ppm verursacht. Zum Vergleich – es gab schon immer „Klimawandel“ auf der Erde, nur bei den letzten Hochtemperaturphasen vor ca. 100.000 Jahren betrug die CO²-Konzentration nur ca. 250 – 300 ppm – also sind die Folgen in den nächsten Jahrzehnten für uns absehbar und lassen mich mit Blick auf meine Kinder nicht tatenlos zusehen.

Jeder Kubikmeter verbauten Massivholzes bindet bis zu einer Tonne CO² langfristig. Das heißt, im Laufe des Wachstums hat ein Kubikmeter Holz der Atmosphäre diese Menge an CO² entzogen, das „C“ gebunden und das O² wieder in die Atmosphäre abgegeben. Sobald ein Baum geerntet wird, wird mindestens ein neuer Baum gepflanzt (Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft), sodass quasi unendlich Ressourcen zur Verfügung stehen. Innerhalb der 40 – 60 Jahre des Wachstums bis zur Ernte kann ein junger Baum auch deutlich mehr CO² aufnehmen als ein älterer Baum. Dieses Prinzip, gekoppelt mit weiterer Aufforstung und Durchsetzen der Nachhaltigen Forstwirtschaft auch außerhalb Europas, wird eine der wenigen Möglichkeiten sein, den Klimawandel einzubremsen, bis wir es in vielen Jahren zu einer komplett klimaneutralen Gesellschaft schaffen – denn einen anderen Ausweg werden wir nicht haben.

Foto: Anastasia Araktsidou

Krefeld, 19. August 2020

Seit ihrem Umzug in die neuen Büroräume bewegen sich die Mitarbeiter der Interface Deutschland GmbH ca. 45 Minuten mehr als zuvor. Dies ist auf den dort geschaffenen Living WorkPlace zurückzuführen. Die Räume mit dem integrierten Showroom wirken einladend und führen bei den Mitarbeitern zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit. Durch das Biophilic Design, das bis ins Detail umgesetzt wurde, spürt man dort die Verbundenheit zur Natur, die im Unternehmen auch so gelebt wird. Wir haben mit Frau Salditt und Frau Jungton gesprochen und nach ihren Erfahrungen gefragt.

Ein Interview von Anna Appenzeller mit Anne Salditt und Ramona Jungton.

Sie arbeiten nun seit vier Jahren in den neuen Räumen. Wie würden Sie die neue Arbeitswelt beschreiben im Vergleich zu der alten Situation? Und was genau gefällt ihnen dabei besonders?

Die Atmosphäre hier ist einfach angenehm. Dazu trägt sowohl die Gestaltung des Innenraums bei, als auch das gesamte Miteinander. Unser Living WorkPlace ist ein Ort, an dem wir uns rundum wohlfühlen. Er ist geprägt durch verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Wir haben Rückzugebereiche für konzentriertes Arbeiten, ebenso wie Bereiche für die Teamarbeit und Kommunikation. Da wir keine festen Arbeitsplätze mehr haben, eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten des Zusammenarbeitens. Außerdem arbeiten wir hier naturnah – durch das Biophilic Design im Gebäude, aber auch den Blick auf Bäume und Wiesen hier im Business Park. Wo am alten Standort graue Industrie war, ist es jetzt grün.

Gibt es eine direkte Verbindung des Konzepts zu Ihren Kunden und wenn ja, wie wird es von ihnen aufgenommen?

Auch von Kunden erhalten wir durchweg positives Feedback. Wir hatten vorher schon eine transparente Kultur, doch durch den integrierten Showroom ist der Austausch noch besser geworden. Die Besucher fühlen sich hier gleich als Teil unserer Büro-Familie. Viele haben es zwar schon auf Bildern oder unserer Homepage gesehen, sind aber dann trotzdem überrascht, wie schön und angenehm es hier ist. Dieser Ort ist eins der Geheimnisse unseres Erfolgs und wir profitieren davon sehr. Mit unserer Raumgestaltung sind wir sogar Vorbild für andere Standorte unseres Unternehmens weltweit.

Warum lohnen sich Investitionen in diesem Bereich?

Mit dem Umzug hatten wir die Möglichkeit, den Ansatz des Biophilic Designs auch vollumfänglich im eigenen Büro zu integrieren. Das hat sich ausgezahlt: die Mitarbeiter sind viel zufriedener und produktiver seit wir die biophile Umgebung geschaffen haben. Ein Healthy Building ist also auch ein Happy Building! Das konnten wir auch in einer wissenschaftlich unterstützen Vorher-Nachher-Studie belegen. Insgesamt freuen wir uns über die stärkere Mitarbeiterbindung und die geringere Fluktuationsrate. Wir haben einige aktive Elemente integriert, um unsere Mitarbeiter zu mehr Bewegung im Büroalltag zu motivieren. Das hat auch geklappt: im Schnitt hat es zu 45 Minuten mehr Bewegung geführt. Durch die Integration des Biophilic Design Ansatzes, Active Office Elementen und der Schaffung vieler verschiedener Arbeitsmöglichkeiten, ganz nach den individuellen Bedürfnissen jedes Einzelnen, fühlen wir uns insgesamt produktiver.

Foto: © Lichthalle Krefeld

 

Viersen/ Venlo, 06. August 2020

Unsere gebaute Umwelt beeinflusst uns- eine Tatsache, die zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen können. Ob bewusst oder unbewusst: was wir sehen, riechen und tasten wirkt sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit aus. Beides kann durch die richtige Gebäudeplanung bzw. Raumgestaltung positiv beeinflusst werden. Harmonische Design- und Farbgebung, durchdachte Materialauswahl, passende Belichtung, gute Belüftung und Lärmreduktion- alles Mittel, derer Sie sich bedienen können, um eine gesunde oder gesundheitsfördernde Umgebung zu schaffen.

Bereits die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege, Florence Nightingale, war sich dieser Tatsache bewusst und forderte schon im 19. Jhdt. mehr Fenster, frische Luft und weniger Lärm für Krankenhauspatienten. Doch auch die moderne Architekturpsychologie beschäftigt sich mit diesen Fragen. So beobachtete 1984 der amerikanische Forscher Roger Ulrich zwei Patientengruppen nach einer OP. Dabei lag eine Gruppe in Patientenzimmern mit Blick auf die Mauer eines Gebäudes, die zweite dagegen konnte in die Natur schauen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Patienten der zweiten Gruppe benötigten nachweislich weniger Schmerzmittel, sie durchlebten weniger Komplikationen, litten seltener an negativer Stimmung und konnten letztlich auch nach kürzerer Verweildauer die Klinik verlassen.

Die Effekte der s. g. „Healing Architecture“ konnten seitdem in weiteren Studien belegt werden. Bisher existieren weltweit etwa tausend Studien, die belegen können, dass auch das Umfeld den Heilungsprozess positiv beeinflusst. So sinkt bspw. Ihr Blutdruck, die Herzfrequenz verringert sich und es wird weniger Stress empfunden. Auch an der TU Berlin wird seit einigen Jahren weiter an diesem Thema geforscht.

Doch auch bei gesunden Menschen wirkt eine sorgfältig bedachte Gebäude- und Raumgestaltung. Ein Mittel, um dies zu erreichen ist das s. g. „Biophilic Design“. Die „Liebe zum Lebendigen“, beschreibt unser angeborenes Bedürfnis nach Kontakt zur Natur. Das innovative Konzept beschäftigt sich mit den Möglichkeiten Menschen auch in Gebäuden und Räumen mit der Natur zu verbinden, indem eine natürliche oder naturnahe Lebens- und Arbeitsumgebung geschaffen wird. Denn wir verbringen über 90% unserer Zeit in Gebäuden und haben so nur bedingt Kontakt zu unserer natürlichen Umwelt. Und bereits kleine Maßnahmen, auch im Bestand, können viel bewirken und unser Wohlbefinden und unsere Kreativität steigern, uns zufriedener und letztlich auch produktiver machen.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Krefelder Unternehmen Interface Deutschland GmbH. Sie wollen mehr darüber erfahren? Klicken Sie hier.

Foto: Anastasia Araktsidou

Venlo/ Viersen, 23. Juli 2020

 

Einer der wichtigsten Indikatoren für ein gesundes Gebäude ist ein gesundes Raumklima. Denn verschmutzte Luft hat einen erheblichen negativen Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Aber wie sorgt man für ein gesundes Raumklima? Und was genau versteht man darunter? Wir haben in den vergangenen Monaten eine Reihe von Blogs zu diesem Thema geschrieben. Wir haben für Sie die wichtigsten zusammengetragen:

 

Foto: via Pexels

Viersen/ Venlo, 21 juli 2020

Gesunde Schulen sind ein erstes Lebensbedürfnis!

„Kinder lernen nicht nur in Schulen, sondern sie entwickeln sich dort auch persönlich – mental und körperlich. Diese Entwicklung hat große Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Gesundheit und somit für ihr weiteres Leben. Deswegen ist es so wichtig, dass Schulen ein gesundes Umfeld bieten! Und genau solche gesunden Gebäude wollen wir mit dem Healthy Building Network realisieren. Studien der Universität Maastricht sind dabei für uns die wissenschaftliche Grundlage. Die vielen Kontakte zwischen Behörden, Unternehmen und edukativen Einrichtungen schieben Innovationen an und sorgen dafür, dass gesunde Gebäude tatsächlich realisiert werden.

In diesem Beitrag möchte ich verdeutlichen, warum wir verstärkt auf gesunde Schulen setzen sollten und wie wir solche Schulgebäude realisieren können. Am Anfang steht immer der Mensch: er muss begreifen, dass das Raumklima innerhalb eines Gebäudes wichtig ist. Die Menschen müssen verstehen, dass unsere Kinder eine gesunde Schule benötigen, um sich gut entwickeln zu können. Die Generation der Zukunft verdient gesunde Schulgebäude! Dafür können wir gemeinsam sorgen. Die Frage ist. Was können Sie dazu beitragen?

Warum ein gesundes Schulgebäude?

In Europa und Amerika verbringen ungefähr 90 Prozent der Menschen ihre Zeit in einem Gebäude. Wir wohnen in einem Haus, wir arbeiten in Gebäuden, und unsere Kinder werden in Gebäuden unterrichtet. Das bedeutet, dass wir ziemlich oft ungesunder Luft ausgesetzt sind.

Studien zeigen, dass die Schadstoffkonzentrationen (Gase, Feinstaub etc.) in geschlossenen Räumen manchmal um das Fünffache höher sind als im Freien. Und die Menschen, die besonders anfällig für die negativen Auswirkungen von Luftverschmutzungen sind (etwa Kinder, ältere oder kranke Menschen), verbringen häufig noch mehr Zeit in geschlossenen Räumen.

In den vergangenen Jahren sind die Schadstoffkonzentrationen leider immer weiter gestiegen. Wir bauen energieeffizient, sorgen für wenig Belüftung oder warten die Filter nicht gut. Darüber hinaus setzen wir Materialien ein, die Schadstoffe in der Luft freisetzen. Denken Sie hierbei an Putzmittel, synthetische Baustoffe, Klebstoffe und Farben, synthetische Lufterfrischer oder an brandhemmende Stoffe in Möbeln usw.

Diese Faktoren treten in all unseren Gebäuden auf. Bedenkt man allerdings, dass sich schadstoffbelastete Luft ohne ausreichende Ventilation im untersten Meter eines Gebäudes anreichert, so wird einem klar, was das für unsere Kinder bedeutet.

Luftholen und Durchatmen ist unter solchen Bedingungen kein positiver Faktor für die Gesundheit.

Umzug in ein gesundes Gebäude

In einer Studie der Universität Maastricht, Moving to Productivity, wurde festgestellt, dass ein Umzug in ein gesundes Gebäude zu einer Abnahme von 42% der sick-building-bezogenen Beschwerden führt. Man bedenke, was dies für Schulkinder bedeuten würde. Die Plattform “Gezondheidsnet” schreibt das folgende in Bezug auf das Sick-Building-Syndrom:

“Das Sick-Building-Syndrom kann zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, trockenen Augen, Halsschmerzen, trockener Haut, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und einem Gefühl von Übelkeit und Schwindel führen. Die schlechte Luftqualität kann darüber hinaus Asthma und Allergien verschlimmern. Bei einem Besuch des Gesundheitsamtes im Rahmen des Projekts “Binnenmilieu Basisscholen” stellte sich heraus, dass die abgestandene Luft in der Klasse die Leistungen der Schüler nachweislich verschlechtert.”

Was also können wir erreichen, wenn die Schulkinder in ein gesundes Gebäude umziehen können?

  • Einen Beitrag zur Gesundheit der Kinder leisten;
  • Weniger Atemwegsbeschwerden wie Asthma;
  • Bessere Konzentrationsfähigkeit;
  • Weniger Stress für Lehrkräfte, die ungestörter arbeiten können;
  • Bessere Leistungen.

Lasst uns gemeinsam ein Bewusstsein hierfür schaffen!

Um die Auswirkungen eines gesunden Gebäudes auf die Leistungen von Schulkindern beziffern zu können, erforscht die Universität Maastricht über einen Zeitraum von fünf Jahren bei 10.000 Kindern Phänomene mit dem Ziel, die aufgestellten Thesen verifizieren zu können. Sensoren messen dabei im Laufe der Studie verschiedene Faktoren in den Klassenräumen. Die Absicht der Studie ‘Indoor Environmental Quality and Learning Outcomes’ ist öffentlich einsehbar.

Kann eine Schule gesund sein?

Dass ein gesundes Schulgebäude gar nicht so schwer zu verwirklichen ist, zeigt sich am Beispiel der Grundschule “De Zuidstroom” in Venlo. Hier strömt andauernd gereinigte Luft mit der richtigen Temperatur hinein. Auf dem Boden liegt ein C2C-zertifizierter Teppich, der Feinstaub absorbiert. Hier werden die Kinder auf eine gesunde Zukunft für sich selbst und ihre Umgebung vorbereitet.

Nachstehende Auflistung zeigt, welche Aspekte ein gesundes Schulgebäude ausmachen:

  • Ausreichende Belüftung (zum Beispiel eine Art Luftzirkulation wie sie in einem Termitenhügel vorherrscht), die den Luftstrom auf eine natürliche Art und Weise durch das Gebäude leitet, so dass so wenig wie möglich an Energie hierfür benötigt wird;
  • Gesunde und sichere Materialien mit so wenig chemischen Ausdünstungen wie möglich;
  • Pflanzen und Wasser, um das Raumklima zu beeinflussen;
  • Große Fenster für ausreichend Tageslicht, mit Abschattungsanlage als Hitzeschutz;
  • Fenster, die zum Zwecke der Frischluftzufuhr geöffnet werden können;
  • Akustische Maßnahmen, zum Beispiel absorbierende Systemdecken, absorbierende Wände sowie Raumteiler, Pflanzen und andere Materialien;
  • Harmonische Proportionen und Formen;
  • Aktive Architektur, die Kinder dazu animiert, sich zu bewegen;
  • Vielfalt an Materialien, Texturen, Formen und Farben.

Finanzielle Machbarkeit

Es ist ein großer Mythos, dass gesund bauen teuer ist. Das stimmt nämlich nicht. Die Anfangsinvestition kann zwar etwas höher sein, auch wenn sich diese in den meisten Fällen noch in Grenzen hält. Wenn wir sämtliche Budgets getrennt betrachten, werden wir per Saldo sogar schwarze Zahlen schreiben.

Auf die finanzielle Machbarkeit haben verschiedene Elemente Einfluss, über die bisher noch nicht in der Gestalt nachgedacht wird:

  • Eigentümer gesunder Gebäude müssen nicht zwangsläufig Eigentümer aller Materialien und des Inventars sein. Das wirkt sich positiv auf die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes sowie auf den Restnutzungswert des Gebäudes aus und man kann sicher sein, ein gut durchdachtes Produkt von einem Hersteller zu bekommen, der für den Gebrauch und den Verbrauch (zum Beispiel Energie) der Produkte verantwortlich bleibt;
  • Langfristige Folgekosten schlechter Lernergebnisse sind nach heutigem Stand der Dinge noch nicht gut zu beziffern, aber sie sind nachweislich vorhanden und qualifizierbar;
  • Krankheitsbedingte Kosten bei Lehrern. Sick-Building-Beschwerden, Burn-Out;
  • Kosten für Nachhilfestunden für Kinder, die viel mehr unter ADHS-artigen Symptomen und Konzentrationsstörungen leiden;
  • Kosten für die Bekämpfung von Adipositas bei Kindern;
  • Gesellschaftliche Kosten und gesundheitliche Langzeitfolgen;
  • Darüber hinaus ist es so, dass innovative gesunde Materialien mit zunehmender nachfrage erschwinglicher werden. Denn, je mehr gesunde Gebäude entstehen, desto bezahlbarer werden die Lösungen, diese zu realisieren.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Bei der Umgestaltung von Schulen zu gesunden Gebäuden kann jeder einen Beitrag leisten.

Sobald ein (bestehendes, konventionelles) Gebäude modernisiert werden muss, könnten Kommunen den Aspekt gesunder Schulgebäude aufgreifen. In diesem Fall kann in der Ausschreibung gefordert werden, dass das Projekt “gesund” ausgeführt wird. Hierbei kommt es darauf an, den Architekten, Bauunternehmen und Materiallieferanten die richtigen Vorgaben zu machen.

Schulleiter können ihre zuständige Schulbehörde (Schulamt, Bildungsdezernent etc.) darauf ansprechen, dass sie in einem gesunden Gebäude bessere Leistungen erzielen können. Schulleiter können sich zum Beispiel auch zusammenschließen und das Bildungsministerium mit den Anforderungen an Schulgebäude im Hinblick auf das Thema Gesundheit konfrontieren.

Auch können Lehrkräfte sich mit Eltern zusammenschließen. Sie können Forderungen an die Schulleitung, die Kommunen und Ministerien formulieren.

Architekten und Bauunternehmer können Botschafter des gesunden Bauens werden und die Lösungen praxisnah umsetzbar machen. Es sind auch Eure Kinder, die ein gesundes Schulgebäude verdienen!

Hersteller können Business-Cases für die Arbeitsweisen und Materialien erstellen, die dazu beitragen, dass Gebäude gesund werden.

Eltern können die Diskussion im Hinblick auf gesunde Schulgebäude innerhalb ihrer Schule und Kommune lostreten.

Auch Kinder können ihren Beitrag leisten. Angesichts der vielen Klimaproteste hat sich bei ihnen inzwischen mehr und mehr im Bewusstsein verankert, dass wir in der Welt vor wegweisenden Entscheidungen stehen. Und ein gesundes Gebäude trägt hier wesentlich zu bei.

Fazit

Gesunde Schulgebäude sollten in unseren bebauten Gebieten Priorität haben, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft. Gesunde Schulen tragen maßgeblich zur Gesundheit von Kindern bei. Es ist möglich, gesunde Schulen zu bauen. Praxisbeispiele gibt es, und diese stehen sogar für Besucher offen. Jeder kann also dazu beitragen, dass gesunde Schulen zur Normalität werden. Sprechen Sie miteinander darüber. Lasst uns die Schulen umbauen! Lieber heute als morgen.


Geschrieben von: Desiree Driesenaar   | Foto von: De Zuidstroom