Bas van de Westerlo, C2C ExpoLAB

Das gesamte Einkaufsvolumen des Öffentlichen Sektors der Niederlande liegt Schätzungen zufolge bei 60 Milliarden Euro pro Jahr. Man stelle sich vor, was für Effekte es auslösen würde, wenn ein Teil davon zirkulär und gesund ausgeschrieben würde. Und es lohnt sich. Beispiele zeigen, dass es geht!

Alles fängt natürlich mit der richtigen Fragestellung an. Was sind beispielsweise die Gründe eines Auftraggebers, sich für Gesundheit und Kreislaufwirtschaft zu entscheiden? Und was wird darunter verstanden? Fragt man beispielsweise zehn Menschen, was sie unter Kreislaufwirtschaft und einer gesunden Umgebung verstehen, wird man zehn verschiedene Antworten erhalten. Wenn man sich also so früh wie möglich mit der Materie befasst, ist dies eine gute Grundlage für nachfolgende Prozesse.

Den Markt frühzeitig mit einbeziehen

Wo möglich, beziehen wir den Markt frühzeitig mit ein. Die Marktteilnehmer können nämlich gut einschätzen, was in den Bereichen Gesundheit und Kreislaufwirtschaft möglich ist und was nicht. Marktdialoge liefern erste Indikatoren zu Zusammenstellung, Herkunft, Wiederverwendbarkeit und Toxizität von Lösungen und geben Auskunft darüber, welche Businessmodelle (un)möglich sind. Auf diese Art und Weise wird schnell klar, ob die Nachhaltigkeitszielsetzungen des Auftraggebers erreichbar sind oder ob diese ggf. sogar nach oben korrigiert werden können.

Im Falle des neuen Stadskantoor Venlo war beispielsweise eine gigantische, 2.000 m² große, begrünte Fassade geplant. Diese grüne Fassade war nicht nur aus ästhetischen Gründen gewünscht, sondern auch wegen der Funktion, die eine grüne Fassade im Hinblick auch die Versorgung mit gesünderer Außenluft leisten kann. Allerdings wurde eine solche Fasade auf diese Art und Weise und in diesem Umfang noch nie zuvor installiert. Daher wurden Marktteilnehmer bereits in der Entwurfsphase frühzeitig eingeladen, um ihren Mehrwert zu präsentieren. Im Zuge dessen konnte das Entwicklungsteam die (Nachhaltigkeits-)Zielsetzungen und die Rahmenbedingungen benennen. Schlussendlich hat dies dazu geführt, dass eine funktionale Fassade entstanden ist, die zudem Cradle to Cradle zertifiziert ist. Dies wäre wahrscheinlich nicht gelungen, wenn nicht frühzeitig Marktteilnehmer mit einbezogen gewesen wären.

Ein anderes aktuelles Beispiel ist eine Ausschreibung für Büromobiliar. Aus der Marktkonsultation ging hervor, dass der Markt schon lange bereit ist, eine garantierte Rücknahme nach Ablauf der Lebensdauer von zehn Jahren, inklusive einer Kauf-Rückkauf-Konstruktion und eines Wartungsvertrages zu erwägen. Die Marktteilnehmer gaben an, dass Produkte bei sorgfältiger Nutzung ihren Wert immer behalten. Diese Branche ist ebenfalls gut in der Lage, darüber Auskunft zu erteilen, ob ihre Produkte in Bezug auf Zusammenstellung, Herkunft, Wiederverwertbarkeit und Toxizität gesund und sicher sind. Kreislaufwirtschaft – in Form des Fußabdrucks, Vorgehensplanung und Total Cost of Usage – ist ein wichtiger Teilaspekt der Bewilligung. Es ist Aufgabe des Marktes, sich von der Konkurrenz abzuheben und die höchste Qualität anzubieten. Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass die richtige Fragestellung aus der Cradle to Cradle-Perspektive zur Qualitätssteigerung und zu besseren Preisabsprachen führt.

Wahl der besten Ausschreibung und des besten Partners

Neue Innovationen bieten sich ständig an. Das Angebot zirkulärer Lösungen nimmt stetig zu. Beflügelt von diesem Trend möchte man also nicht nur mit der besten – und zirkulärsten – Ausschreibung, sondern auch mit dem besten Partner punkten. Es sollte also ein Partner mit der richtigen Einstellung und den richtigen Tools und Kniffen sein. Auch während des Entwurfs und der Umsetzungsphase werden sich nämlich Chancen auftun. Durch die Zusammenarbeit mit Partnern, welche die gleichen Ziele verfolgen, können die Ansprüche im Bereich der Zirkularität stetig hochgeschraubt werden. Sorgen Sie dafür, dass Sie der Auswahl des Partners nicht nur nach der besten Lösung suchen, sondern auch danach wie der Partner Ihre Zielsetzungen erreichen möchte.

Einzigartige Ausgangslage

Als Auftraggeber befinden Sie sich in einer einzigartigen Ausgangsposition. Indem Sie die richtigen Fragen stellen, können Sie die Innovationsbereitschaft des Marktes positiv beeinflussen und auf diesem Weg dazu beitragen, dass die gesunde und zirkuläre Wirtschaft gestärkt wird. Hierbei kann die Latte stetig höher gelegt werden; einerseits durch den Auftraggeber, andererseits durch den Auftragnehmer. Es besteht die Chancen, sich jetzt positiv von anderen zu unterscheiden, und die Praxisbeispiele zeigen, dass es geht. Also, auf geht’s!