2. Best-Practice-Besuch des Healthy Building Networks:

Gesundes Bauen erreicht den Gewerbebau

Viersen, 15. November 2019

Unter dem Thema „Nachhaltigkeit im Gewerbebau – ansehen und begreifen“ fand am Dienstag, 12. November 2019 in Nettetal-Kaldenkirchen der 2. Best-Practice-Besuch des Healthy Building Networks statt. Dabei hatten Fachbesucher die Gelegenheit, sich durch Vorträge, einen Rundgang und anschließende Fachdiskussion umfassend über das Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit im Gewerbebau zu informieren und dieses vor Ort zu erleben.

Die Veranstaltung fand in einer durch die Firma Peter Dammer GmbH & Co. KG geplanten und gebauten bezugsfertigen Gewerbeimmobilie statt. Das Gebäude, bestehend aus Büro, Produktion und Lager, wurde im Oktober fertiggestellt und wird in den kommenden Wochen dem Mieter übergeben. Anfang Januar 2020 wird hier der Betrieb der Firma METTEN Kunststoffprodukte GmbH aufgenommen.

Wirtschaftlichkeit im Vordergrund

„Ich bin kein Ingenieur, ich bin Kaufmann. Somit steht für mich die wirtschaftliche Nachhaltigkeit an erster Stelle. Wenn ich nicht davon überzeugt bin, werde ich es auch nicht verkaufen können“, sagte Christoph Dicks, Geschäftsführer der Firma Peter Dammer GmbH & Co. KG, während er den Bauprozess erläuterte.

Das Gebäude ist im KFW55-Standard erstellt und wird durch eine Photovoltaikanlage zum Plus-Energie-Gebäude.

Oftmals seien es Familienbetriebe, die sich für eine gesunde Variante entscheiden. Dadurch, dass in diesen Inhaber und Familienmitglieder die Räume selber nutzen und auch eine stärkere Bindung zu ihren Mitarbeitern haben, als es bspw. in Konzernen der Fall ist, sei die Bereitschaft, eine vergleichsweise etwas höhere Investition vorzunehmen, gegeben.

Jedoch können die geringen Mehrkosten für den KFW55-Standard und Ausführung mit Cradle-to-Cradle-Materialien mit dem fünfprozentigen Tilgungszuschuss einer KFW55-Finanzierung kompensiert werden. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass das Argument gesundes Bauen sei per se teurer nicht haltbar ist.

Man habe allerdings noch nicht für alle Bereiche gesunde oder zertifizierte Materialien finden können. Vielmehr handelt es sich hier um einen andauernden Prozess, bei dem man von Projekt zu Projekt besser werden möchte.

Lehm als zeitloser, wirtschaftlicher und nie endender Baustoff

Im Anschluss an die Projektvorstellung sprach Ulrich Röhlen von der Firma Claytec e. K. über Lehm als Baustoff. Dieser ist, wie er anhand mehrerer namhafter Projekte zeigte, in der modernen Architektur angekommen und wurde auch in den Büroräumen der besuchten Gewerbeimmobilie verbaut.

Die Vorteile dieses Jahrtausend alten Baustoffes seien vielfältig. Neben verbessertem Klima- und Schallschutz, führt die feuchtigkeitsaufnehmende Eigenschaft des Materials zu einem verbesserten Raumklima. In der Arbeitsumgebung eingesetzt, führe dies neben anderen Faktoren zu einer Förderung der Personalgesundheit. Mehrfach wurde bei dem Besuch das Thema Raumtemperatur angesprochen. Die Eigenschaft Wärme aufzunehmen verbunden mit seinem Abstrahlungspotential führt dazu, dass die Innenraumtemperatur als höher empfunden wird. Folglich sinkt der Heizbedarf in solchen Räumen.

Ein weiterer Vorteil des Lehmbaustoffs: Er ist regional verfügbar und in nahezu nicht endender Menge verfügbar und zu einhundert Prozent wiederverwendbar. Die Zugabe von Wasser reicht aus, um das Material in seine ursprüngliche Form zu bringen um es erneut verarbeiten zu können. Folglich entsteht bei der Demontage von Gebäuden kein zu entsorgender Abfall, was ganz dem Sinne des Kreislaufgedankens entspricht.

Wissenschaftlich fundiertes Monitoring

Um die Wirkung der umgesetzten Maßnahmen messen und Erkenntnisse für weitere Projekte zu ziehen, wird es ab 2020 ein Monitoring geben. Dabei wird neben dem Energieverbrauch in Zusammenarbeit mit einer Hochschule auch die Luftqualität des Gebäudes ausgewertet. Für die Berechnung der CO2-Neutralität wird noch ein Partner gesucht.

Als direktes Vergleichsobjekt dient ein in 2015 erstelltes vergleichbares Büro mit Halle auf demselben Grundstück.

Das Healthy Building Network wird dieses Projekt auch weiterhin begleiten und über die neuesten Entwicklungen berichten. Ausführlichere Informationen können Sie den Präsentationen des Nachmittags entnehmen, die wir hier für Sie zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt haben:

Ausführlichere Informationen können Sie den Präsentationen des Nachmittags entnehmen, die wir hier für Sie zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt haben:

01_Christoph Dicks, Peter Dammer GmbH

02_Ulrich Röhlen, Claytec e. K.