Venlo/Maastricht, 26. November 2019

Maastricht ist seit dem 7. November nun das Zentrum für gesunde Luft und gesundes Bauen: Referenten von weltweit renommierten Instituten wie dem MIT, der Harvard University und der Maastricht University stellten dort die neuesten Erkenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Luft und Raum und Gesundheit vor. Rund hundert Teilnehmer aus aller Welt nutzten diese Gelegenheit zum Austausch und teilten ihr Wissen miteinander. Zwei der Referenten, Juan Palacios und Piet Eichholtz, sind im niederländisch-deutschen Healthy Building Network engagiert und teilen ihre Forschungsergebnisse über die Informationskanäle des Netzwerks.

Raumluftqualität ist ein wichtiger Faktor für die Schaffung eines gesunden Gebäudes. Deshalb ist es ein Thema, das beim Healthy Building Network häufig ganz oben auf der Tagesordnung steht. Gemeinsam mit der Universität Maastricht forscht das Netzwerk und teilt sein Know-how mit allen Beteiligten in der Bauwirtschaft.  Unternehmen können diese Innovationen über die Beantragung von Gutscheinen sogar verbilligt einkaufen. Désirée Driesenaar, die auf der Konferenz im Namen des Healthy Building Network anwesend war: „Diese Konferenz war eine großartige Ergänzung zu unserer Arbeit als Healthy Building Network. Um gesunde Gebäude entwickeln zu können, ist das von den Wissenschaftlern entwickelte Know-how von großer Bedeutung für innovative Projekte. Zum Glück waren die Besucher nicht nur Wissenschaftler. Unser Know-how konnten wir einem Architekten zur Verfügung stellen, der nach Inspiration für die Entwicklung gesunder Arbeitsplätze für 2.000 neue Mitarbeiter sucht. Darüber hinaus konnten wir auch einen Universitätscampus inspirieren, der seine Gebäude gesund sanieren will.  Außerdem interessieren sich ein innovativer Unternehmer, der Lösungen für gesunde Raumluft entwickelt, und verschiedene anderen Beteiligte für diese Thematik.”

Makroperspektive

Die Konferenz begann mit der Makroperspektive auf verschmutzte Städte. Sefi Roth, London School of Economics, sprach über den Zusammenhang zwischen der Dichte einer Stadt und der Luftqualität. Die Dichte der Städte hängt mit der Nachhaltigkeit zusammen, da sie geringere Emissionen verursacht. Gleichzeitig werden die Emissionen jedoch stärker konzentriert. Kurz gesagt, Sefis Schlussfolgerung war, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Dichte und Belastung durch Luftverschmutzung gibt. In einer durchschnittlichen amerikanischen Stadt bedeutet die Verdoppelung ihrer Dichte einen Preis von 630 Dollar pro Kopf. Nico Pestel, Institut für Arbeitsökonomie IZA, sprach anschließend über die Wirksamkeit der Umweltzonen in deutschen Städten und die Beziehung zwischen diesen Zonen und den Krankenhausaufenthalten in der Region. Seine Arbeit kann entscheidend sein, um die politischen Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen, die Maßnahmen in den Städten weiter zu verschärfen und die Lungengesundheit zu verbessern.

Betrunken Entscheidungen treffen

Juan Palacios, MIT und Universität Maastricht, stellte seine Studie bezüglich der Raumluftqualität und der kognitiven Leistungsfähigkeit vor. Seine Studie ist wichtig, um zu zeigen, dass gesunde Gebäude wirklich zu einer besseren Leistung von Menschen führen, die in Büros denken, oder von Kindern, die in Schulen lernen. Denken, Gehirnaktivität, Entscheidungsfindung und Luftqualität sind miteinander verbunden. Juan demonstrierte dies mit seiner Forschung unter Schachspielern. Er studierte die Entscheidungen der Schachspieler und verband sie mit der Luftqualität in dem Raum, in dem sie diese treffen. Seine Schlussfolgerung ist, dass der CO2-Gehalt in der Luft die Leistung von Entscheidungen unter Zeitdruck beeinflusst. Ein weiterer Redner, Erik Ubels von Edge Technologies, sagte es ganz klar: „CEOs treffen die meisten Entscheidungen, während sie so viel CO2 einatmen, dass es einer guten Dosis Alkohol entspricht. Die Argumente für gesunde Bürogebäude und gesunde Schulen sind eindeutig. Sie sind notwendig, um die Köpfe der Mitarbeiter und Studenten klar zum Arbeiten zu bringen.

Viel Verbesserungspotential

Piet Eichholtz, Professor an der Universität Maastricht, schärfte mit seinem Vortrag das Bild für Schulen. Manchmal sind alte Schulen sogar besser als neue. Er nannte als Beispiel eine Schule, die mit neuer Lüftungstechnik ausgestattet ist, aber so abhängig ist, dass im Falle eines Ausfalls dieser Technologie oder einer schlechten Wartung die Werte tatsächlich gefährlich auf über 4000 ppm ansteigen. In Prof. Eichholtz’ Forschung werden Temperatur, Feuchtigkeit, CO2, Feinstaub, Lärm und Licht mit moderner Messtechnik in 280 Klassenzimmern gemessen. Die Ergebnisse sind manchmal schockierend! Das bedeutet aber auch, dass es große Verbesserungsmöglichkeiten gibt! Darüber hinaus findet seine Forschung „Moving to productivity” den Zusammenhang zwischen Produktivität und Büroumzug von ungesunden zu gesunden Gebäuden. Die Forschung wird im Rahmen des Healthy Building Network noch einige Jahre lang fortgesetzt, so dass sicherlich noch neue Ergebnisse ausgetauscht werden.

Messtechniken und Investitionen

Die Konferenz teilte nicht nur die Erkenntnisse der Universitäten. Wissenschaftler von Unternehmen wie Airbus, Aclima, Edge Technologies, We Work und Airbnco gaben auch einen Einblick in ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Messtechnik, praktikable Lösungen und Investitionsperspektiven für eine gesunde Luftqualität innerhalb und außerhalb von Gebäuden. Der Hauptvortrag wurde von Joe Allen von der Harvard University gehalten. In seiner Geschichte sprach er auch über die Rolle von „forever chemicals”, der so genannten PFAS, die derzeit in den Niederlanden in den Nachrichten zu finden sind. In seiner Sicht auf Investitionen und den Return on Investment (ROI) sieht er eine Rolle für Energie, den Markt, die Nutzer eines Gebäudes und die Gesellschaft. Gesunde Gebäude schaffen mehrere Werte, die alle in den Business Case und in den ROI für Investoren einbezogen werden können. Alles in allem bot diese Konferenz ein facettenreiches Bild eines sich in Bewegung befindlichen Baumarktes und eine immer schlüssigere Beweislast. Es ist an der Zeit, dass sich sowohl neue als auch renovierte Gebäude am Thema „gesund” orientieren. Die Zeit ist reif für gesunde Gebäude!