Viersen, 03. Juli 2020

Gute Akustik – ein so bedeutender Faktor, wenn es um allgemeines Wohlbefinden und Lebensqualität geht. Wir haben mit Maximilian Schmitz vom SmartRaumProjekt gesprochen und ihn gefragt, was er unter guter Akustik versteht und was Raumakustik mit Ästhetik und Design zu tun hat.

HBN: Herr Schmitz, was ist Ihre Idee zum Thema „gute Akustik“?

M.F. Schmitz: Ausgehend von meiner langjährigen Hörerfahrung als Mensch, Musiker und Lehrender an der Uni habe ich bemerkt, dass das Thema Akustik nicht die Beachtung erfährt, die es verdient. Wenn man sich vorstellt, dass man seine Augen schließen kann, wenn man unschöne Dinge sieht, aber seine Ohren nicht einmal verschließen kann, wenn man schläft, erscheint es plötzlich ganz logisch, dass diesem Sinn – dem Hörsinn – mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Tägliche Erfahrungen in größeren öffentlichen Räumen, in Büros und Praxen aller Art haben mich zum Nachdenken gebracht. Warum bin ich in dieser alltäglichen Situation auf einmal so gestresst? Warum bin ich viel erschöpfter nach einem Arbeitstag in lauter Umgebung? Schlechter hörende Menschen in ungünstigen akustischen Umgebungen eingeschränkt oder hilflos zu erleben, hat mich darüber hinaus angestoßen.

Eine gute Akustik wirkt also als Faktor in vielen Bereichen: Bei der Arbeit im Büro, wenn man ohne lästige Nebengeräusche von Kollegen, Telefonen und Geräten in Ruhe denken und arbeiten kann. Beim Arzt, wenn man nicht nachfragen muss, was der Arzt oder seine Mitarbeiterin gesagt haben, oder man nicht flüstern muss, weil man aus eigener Erfahrung weiß, dass alle im Warteraum mitbekommen wo es zwickt. Und natürlich in Bereichen, in denen viele Menschen zusammenkommen, wie etwa Foyers oder Restaurants. An solchen Plätzen kann man sich häufig nicht entspannt unterhalten, weil es zu laut ist. Aber gerade dafür sind sie doch gemacht, diese Plätze der Begegnung und des Genusses.

Es geht um Lebensqualität, denn eine gute Akustik wirkt im Ganzen positiv auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit, eine schlechte Akustik bewirkt das Gegenteil. Aus diesen Erkenntnissen heraus ist z.B. die DIN 18041 festgelegt worden, die die Hörsamkeit von Räumen im Zusammenhang mit ihrer Nutzung beschreibt.

HBN: Und was hat Raumakustik mit Ästhetik zu tun?

M.F. Schmitz: Zunächst einmal nichts, leider. Denn das Auge hört mit, wie wir gerne sagen. Aber das Auge dominiert auch bei den abstrakten Bauentwürfen. Es werden ansehnliche Gebäude geplant und gebaut, deren Entwürfe die Betrachter überzeugen sollen. Die visuellen Aspekte sind auf dem Papier offensichtlich, die akustischen dagegen gar nicht. Und so wird sehr oft erst bei Bezug festgestellt, dass da etwas so gar nicht funktioniert, nämlich die Raumakustik.

Unser Ansatz beginnt mit der ästhetischen Integration der raumakustischen Maßnahmen. Das klingt jetzt etwas abgehoben, ist aber vollkommen bodenständig, da physikalische Parameter behandelt werden. Nur eben visuell stimmig, im besten Einvernehmen mit den Kunden und Gegebenheiten. Für die gestalterischen Aspekte ist meine Schwester Sabine zuständig. Sie ist eine hervorragende Innenarchitektin – ich darf das ja sagen. Daher hat sie einen ganz anderen Zugang zur Materie als ich, der ein bekennender Ohrenmensch ist – und wir „zanken“ uns gerne um die Details. Wo Sabine aus ästhetischen Gründen gerne weniger Eingriffe in die Struktur hätte, möchte ich aus akustischen Gründen manchmal mehr. Die Diskussionen ergeben dann letztlich nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern das größte gemeinsame Vielfache!

Das macht Spaß, den Kunden geht es besser und sie sind zufrieden. Und das macht noch mehr Spaß.


Foto: SmartRaumProjekt